Pressearchiv 2006
Hamburg, den 11.04.2006
Direktor der Evangelischen Stiftung Alsterdorf erliegt im Alter von 60 Jahren seiner schweren Krankheit
Alsterdorf trauert um Rolf Baumbach
Rolf Baumbach, der Direktor und Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, ist tot. Der evangelische Theologe verstarb am Montag im Alter von 60 Jahren. Er erlag einem schweren Krebsleiden, das er lange Zeit mit großer Energie und Kraftanstrengung bekämpft hatte. Erst im Februar hatte Baumbach mit zahlreichen geladenen Gästen seinen 60. Geburtstag gefeiert.
Rolf Baumbach stand 13 Jahre lang an der Spitze eines der größten Unternehmensverbünde sozialer Dienstleistungen in Norddeutschland. Seit Herbst vergangenen Jahres war Baumbach auch Vorsitzender der neuen Evangelischen Akademie Hamburg, die in Form eines Vereins auf seine Initiative hin gegründet worden war. Radiohörer kennen ihn seit vielen Jahren als Verfasser einfühlsamer, nachdenklicher aber immer auch hoffnungsvoller Hörfunkandachten im NDR.
Die Evangelische Stiftung Alsterdorf, zu deren Vorstandsvorsitzenden er im Frühjahr 1993 berufen worden war, verliert mit Rolf Baumbach eine visionäre Führungsfigur. Seiner Innovationskraft, seiner Beharrlichkeit und Durchsetzungsfähigkeit verdankt die Stiftung einen Großteil ihrer heutigen Bedeutung und ihrer neuen inhaltlichen Konzepte. Insbesondere die Öffnung der ehemaligen Anstalt, die Etablierung des neu konzipierten Alsterdorfer Marktes als Zentrum im Hamburger Norden und die damit verbundenen baulichen und städteplanerischen Veränderungen tragen unübersehbar die Handschrift des Alsterdorfer Direktors.
In Hamburg geboren verbrachte Baumbach seine Kinder- und Schulzeit in der Hansestadt. Nach dem Studium der evangelischen Theologie in Hamburg und Göttingen begann Baumbach 1971 sein Vikariat in der Hamburgischen Landeskirche. Anschließend wirkte er als Gemeindepastor in Hamburg-Bramfeld und leitete ab 1986 den dortigen Kirchengemeindeverband. Zu Beginn der neunziger Jahre wurde er Pastor an der Alsterdorfer St. Nicolaus-Gemeinde, die sich von der ehemaligen Anstaltsgemeinde zur Parochialgemeinde gewandelt hatte. Im März 1993 berief ihn der Alsterdorfer Stiftungsrat auf den vakanten Posten des Vorstandsvorsitzenden der Evangelischen Stiftung Alsterdorf.
Dort wartete keine leichte Aufgabe auf den Theologen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die traditionsreiche Hamburger Stiftung nicht nur ein Imageproblem in der Öffentlichkeit, sondern stand, von den meisten Mitarbeitern und Beobachtern unbemerkt, vor dem wirtschaftlichen Aus.
Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Wolfgang Kraft, und dem Leitungskreis der Stiftung gelang es Mitte der neunziger Jahre, zunächst eine weitreichende Sanierungsvereinbarung mit der Freien und Hansestadt Hamburg, der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und diversen Gläubigerbanken abzuschließen. Es folgte ein ‚Bündnis für Investition und Beschäftigung’ mit der Alsterdorfer Mitarbeiterschaft und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, mit dessen Hilfe durch mehrjährigen Gehaltsverzicht und den gleichzeitigen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen der Grundstock für notwendige Investitionen innerhalb der Stiftung gelegt wurde. Auf diese Weise konnten marode Bausubstanz ersetzt, zukunftsorientierte Projekte realisiert und nicht zuletzt auch hunderte von Arbeitsplätzen gesichert und sogar ausgebaut werden. Heute zählt die Evangelische Stiftung Alsterdorf mit ihren gemeinnützigen Tochterunternehmen und insgesamt fast 4000 Mitarbeitern zu den großen Arbeitgebern im sozialen Dienstleistungssektor.
Der Theologe Baumbach fühlte sich stets den Grundorientierungen eines liberalen Protestantismus verpflichtet. Dazu zählen insbesondere Begriffe wie Freiheit, Verantwortung und Respekt. Mitarbeiter, Menschen mit Behinderungen aber auch Gäste oder Verhandlungspartner erlebten Baumbach stets aufmerksam, einfühlsam, aber auch impulsiv und bestimmt. Baumbach nahm selten ein Blatt vor den Mund und nutzte dabei stets seine Fähigkeit zu Humor und Selbstironie. Auch in Auseinandersetzungen bestach der Alsterdorfer Vorstandschef immer durch Offenheit, uneitle Natürlichkeit und zugleich analytischen Scharfsinn.
Leiten ließ sich der zuweilen auch streitbare Theologe oft von seinem Sinn für Ästhetik und Gestaltung. Der ließ den Alsterdorfer Vorstandsvorsitzenden sehr schnell erkennen, dass das Wohlbefinden von Menschen, seien es Klienten, Patienten, Schüler, Mitarbeiter oder Kunden und Gäste, in unmittelbarem Zusammenhang mit freundlicher Umgebung und zugewandter Architektur steht.
Baumbach hielt stets an seinen Ideen fest, auch wenn viele dem Vorstand für seine innovativen Pläne mangelnden Sinn für Realitäten attestierten. Den bewies er, indem er immer mehr auch die notwendige wirtschaftliche Komponente im Wirken der Stiftung verankerte. Den oft postulierten Gegensatz von Ökonomie und diakonischem Engagement hielt Baumbach immer für nicht existent. Entsprechend betriebswirtschaftlich neu positioniert präsentierten sich die von ihm verantworteten sozialen Dienstleistungsangebote.
Neben der Ader für Ästhetik, Musik und schöne Künste, verleugnete Rolf Baumbach in gut lutherischer Tradition auch nie seine Hinwendung zu diesseitigen Freuden. Er liebte gutes Essen und ebensolche Weine, genoss Reisen und interessante Begegnungen und zeigte gerne seine Begeisterungsfähigkeit als bekennender Fußball-Fan.
Mit Rolf Baumbach verliert die Evangelische Stiftung Alsterdorf und mit ihr die nordelbische Kirchenlandschaft und die Hamburger Sozialpolitik einen Garanten der Menschlichkeit und der Glaubwürdigkeit.
Rolf Baumbach hinterlässt seine Frau und drei erwachsene Kinder.
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