Pressearchiv 2006
Hamburg, den 26.09.2006
Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf
Einmalig in Hamburg: Neues Behandlungsangebot „Alter und Sucht“
Etwa jeder zehnte Mensch über 60 hat neueren Studien zufolge ein „problematisches Trinkverhalten“, bei zwei bis drei Prozent der Männer und einem Prozent der Frauen über 60 liegt der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zufolge ein Alkoholmissbrauch oder eine Abhängigkeit vor. Auch Tablettenabhängigkeit und zunehmend auch der Konsum von illegalen Drogen spielen im Alltag von älteren Patienten eine Rolle.
Da es für diese Menschen bisher kein entsprechendes Behandlungsangebot gibt, bietet die Innere Abteilung des Evangelischen Krankenhauses Alsterdorf den qualifizierten Entzug für Frauen und Männer über 60 an. Sie werden in der Regel für 21 Tage stationär aufgenommen. Neben der körperlichen Entzugsbehandlung finden altersgerechte suchttherapeutische Einzel- und Gruppenangebote statt, die auf ein abstinentes Leben vorbereiten. Wöchentliche, abwechslungsreiche Bewegungsangebote mit Elementen aus Qigong, Pilates und Entspannungsmethoden, Trainingsangebote zur Steigerung der Gedächtnisleistung sowie Informationen zu Themen wie Sturzprävention sind Bestandteile des besonderen Behandlungsprogramms. Außerdem erhalten die Patienten einen Einblick in die Angebote verschiedener spezialisierter Hamburger Institutionen für ältere Menschen in den Bereichen Sport, Kultur, Bildung und Beratung, um sich tragfähige Kontakte für ein Leben ohne Sucht aufzubauen.
Im Suchthilfesystem ist die Patientengruppe der älteren Menschen kaum zu finden. Dies hat vielfältige Gründe. „Anders als bei jungen Menschen wird die Suchterkrankung von Frauen und Männern über 60 öffentlich nicht wahrgenommen, da sie sich meist in der häuslichen Einsamkeit abspielt“, erläutert Dr. Georg Poppele, Chefarzt der Abteilung für Innere Erkrankungen des Evangelischen Krankenhauses Alsterdorf. „Sie ist schwieriger zu diagnostizieren, weil die Krankheitszeichen wie Gangstörungen, Stürze, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Ängste, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit mit Gewichtsabnahme oder Zittern häufig auch bei anderen im Alter auftretenden Erkrankungen vorhanden sind und oft fälschlicherweise diesen zugeschrieben werden. Und nicht zuletzt werden süchtigen älteren Menschen kaum Behandlungschancen oder Lebensperspektiven eingeräumt. Dies ist ein Irrtum, was sich auch wissenschaftlich belegen lässt. Für ältere Menschen gibt es sehr wohl - wie für Jüngere - erfolgreiche Wege aus der Sucht zu einem erfüllten und unabhängigen Leben. Und die beklagten Beschwerden bilden sich oft komplett zurück. Es lohnt sich.“
Suchtmittelabhängige Patienten kommen häufig wegen körperlicher Begleiterkrankungen wie Durchblutungsstörungen, Lungenerkrankungen, Tumore oder Erkrankungen der Leber und Bauchspeicheldrüse in die internistische Klinik. Deren erfolgreiche Behandlung ist die notwendige Voraussetzung zur Bewältigung ihrer Suchterkrankung. Der qualifizierte Entzug für Menschen über 60 bietet darüber hinaus die notwendige medizinische, pflegerische, therapeutische und sozialpädagogische Betreuung, um langfristig abstinent und möglichst beschwerdefrei leben zu können.
Die Aufnahme in den qualifizierten Entzug für Männer und Frauen über 60 erfolgt nach Einweisung des behandelnden Haus- oder Facharztes. Die Patienten werden in ansprechenden Zweibettzimmern mit eigenen Nasszellen in einem angenehmen Umfeld untergebracht. Das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf liegt auf dem weitläufigen parkähnlichen Areal der Evangelischen Stiftung Alsterdorf und bietet optimale Rahmenbedingungen zur erfolgreichen Behandlung älterer Patienten.
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