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Pressearchiv 2006

Hamburg, den 18.10.2006

Bundesweiter Fachkongress der Sozialen Arbeit in Hamburg

Ziel: ‚Community Living’ – Mittendrin in der Gesellschaft

Rund 500 Experten aus den Bereichen Sozialarbeit, Psychiatrie und Behindertenhilfe treffen sich derzeit in Hamburg-Alsterdorf, um neue Formen sozialer Arbeit zu diskutieren und bereits bestehende innovative Ansätze weiter zu entwickeln. ‚Community Living’ ist der Titel des Fachkongresses, der am Mittwoch begann und bis Freitagnachmittag dauern wird. Gastgeber der Tagung sind die Evangelische Stiftung Alsterdorf und die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie.

Ziel der Experten ist es, Wege für eine Teilhabe von Randgruppen an gesellschaftlichem Leben aufzuzeigen. Liegt der Schwerpunkt der Arbeit in der Evangelischen Stiftung Alsterdorf hauptsächlich in der Assistenz für Menschen mit Behinderungen, so hat die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie vor allem Hilfen für Menschen mit einer psychiatrischen Erkrankung im Blick. Beide eint jedoch die Überzeugung, ihrem jeweiligen Klientel nur außerhalb stationärer Einrichtungen gerecht zu werden.

„Wir müssen immer mehr gangbare Wege finden, wie Menschen, die Unterstützung brauchen, in ihrem eigenen, selbst gewählten Umfeld gleichberechtigt an der Gemeinschaft mitwirken können“, sagt Wolfgang Kraft, Vorstand der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Psychiatrie und Behindertenhilfe stehen hier an unterschiedlichen Standpunkten der Entwicklung. „Gleichwohl stehen wir vor identischen Fragestellungen, sehen uns mit ähnlichen Widerständen konfrontiert und wollen uns gemeinsam auf den Weg nach Lösungen machen“, erklärt Lisa Schulze-Steinmann von der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie. „Aus diesem Grund macht es sehr viel Sinn, einen solchen Kongress gemeinsam vorzubereiten und auszurichten“, so Schulze-Steinmann.

Ideen des Community Living aber beschränken sich nicht auf die Einsatzfelder Psychiatrie und Behinderung. Auch für andere gesellschaftliche Gruppen, die seit jeher Gefahr laufen, an die Ränder der Gesellschaft gedrängt zu werden, sind die Problemanzeigen und Lösungsansätze nahezu identisch. So nehmen zahlreiche Fachleute aus unterschiedlichen sozialen Arbeitsfeldern an dem Fachkongress teil. „Zu den Kongressbesuchern zählen verantwortliche Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Einrichtungen und Einsatzfeldern“, bestätigt Theodorus Maas, Vorstandsreferent in der Evangelischen Stiftung Alsterdorf und Mitglied der Kongressleitung. „Die Bandbreite reicht von der Gemeindepsychiatrie über Migrantenprojekte bis zur Unterstützung für Obdachlose.“ Und das Interesse der Experten aus ganz Deutschland ist groß. Schon seit Wochen ist der Kongress überbucht.

Community Living bedeutet, dass alle Menschen, egal mit welchen Beeinträchtigungen und welchem Unterstützungsbedarf sie leben, ihr Leben in ihrer selbst gewählten Häuslichkeit und mittendrin in gesellschaftlichen Bezügen führen und selbst gestalten. Das jedoch schließt von vornherein eine Unterbringung in klassischen Heim- oder Anstaltsstrukturen aus.

Vielmehr bedarf es des Zusammenwirkens vieler Faktoren, um die Grundlage für das Gelingen gesellschaftlicher Teilhabe möglich zu machen. Dazu gehören ausdifferenzierte professionelle Assistenzangebote ebenso wie unterschiedliche Formen gesellschaftlichen Engagements. Wirtschaftliche Faktoren spielen eine Rolle, aber auch sinnvolle politische Vorgaben, etwa wenn bürokratische Hürden strukturelle Veränderungen von Assistenzangeboten behindern. Immer aber geht es um die Inklusion eines Menschen in die Gesellschaft. Jeder ist gleichberechtigter Teil der Gemeinschaft; es gilt ihn als solchen wahr- und ernst zu nehmen.

Der Hamburger Fachkongress will viele der dafür notwendigen Faktoren beleuchten, Anforderungen an moderne soziale Arbeit und Grundlagen der Politik formulieren, aber auch gelingende Ansätze und Modelle von Community Living vorstellen. Neben Vorträgen namhafter Referenten – erwartet werden u. a. der Berliner Historiker Paul Nolte, der schwedische Sozialreformer Kent Ericsson und der Psychiatriekritiker Klaus Dörner – wartet auf die Kongressteilnehmer eine Fülle von Workshops und Projektbesuchen.

Dokumentiert werden Inhalte und Ergebnisse der Fachtagung in einem Buch. Als Handbuch für die Umsetzung von Community Living soll es voraussichtlich noch in diesem Jahr im alsterdorf verlag erscheinen.

Termin:
Fachkongress ‚Community Living’
18. – 20. Oktober
Evangelische Stiftung Alsterdorf, Hamburg

Kontakt
Evangelische Stiftung Alsterdorf
Bereichsleitung Kommunikation
Wolfram Scharenberg
Telefon 0 40.50 77 35 22
Fax 0 40.50 77 35 82
w.scharenberg@alsterdorf.de
www.alsterdorf.de

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