Pressearchiv 2007
Hamburg, den 28.06.2007
Birgit Schnieber-Jastram und Hilke Osterwald führten ‚Alsterdorfer Gespräche’
Alsterdorfer Verantwortliche fordert mehr Experimentierfreudigkeit in der Politik
Unbürokratisches Denken und Handeln, Experimentierfreudigkeit und ausreichende finanzielle Mittel forderte die stellvertretende Direktorin der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, Hilke Osterwald, von einer künftigen Hamburger Sozialpolitik. Die Alsterdorfer Pastorin traf sich am Mittwoch mit Hamburgs zweiter Bürgermeisterin und Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram im Rahmen der Veranstaltungsreihe ‚Alsterdorfer Gespräche’. Thema der Veranstaltung: ‚Soziale Stadt – wie kann Teilhabe gelingen?’
Um Teilhabe an gesellschaftlichen Bezügen für alle Bürgerinnen und Bürger möglich zu machen, brauche es vor allem die konsequente Auflösung segregierender Strukturen, forderte Hilke Osterwald. Dies gelte nicht nur in der Assistenz für Menschen mit Behinderungen. Notwendig hierfür sei jedoch, fernab aller budgetären Überlegungen, der politische Wille.
Bügermeisterin Birgit Schnieber-Jastram machte ihren politischen Willen, Teilhabe zu ermöglichen, deutlich. Sie verwies auf die Vorreiterstellung, die Hamburg in der Ambulantisierung stationärer Heimplätze für Menschen mit Behinderungen inzwischen erreicht habe. Diesen Weg werde die Hansestadt auch über bereits erfolgte Vereinbarungen hinaus weiter verfolgen.
Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, da waren sich die Politikerin und die Pastorin einig, sei an vielen Stellen ein Umdenken, sowohl in weiten Teilen der Bevölkerung, als auch in der Planung und Ausgestaltung sozialer Räume. Hier komme bürgerschaftlichem Engagement, Nachbarschaftshilfe oder auch nur der verstärkten Aufmerksamkeit für andere im eigenen Quartier in Zukunft eine erhöhte Bedeutung zu. Ziel sei ‚Empowerment’ derjenigen, die Unterstützung brauchen, also die Stärkung von eigenen Kräften und Selbstwertgefühl.
Nötig seien dafür aber auch konkrete Voraussetzungen wie günstiger Wohnraum, angemessene professionelle Assistenz und schnelle Entscheidungswege, etwa in der Bearbeitung von Anträgen, forderte Hilke Osterwald.
Die Auflösung von Heim- und Anstaltsstrukturen ist in den Alsterdorfer Angeboten für Menschen mit Behinderungen schon weitgehend umgesetzt. So veränderte sich auch das einstmals abgeschottete Stiftungsgelände in den vergangenen Jahren zu einem offenen Mittelpunkt im Stadtteil. Damit gelten die Evangelische Stiftung Alsterdorf und ihre Gesellschaften in der bundesweiten Soziallandschaft als Vorreiter des Prinzips ‚Community Care/Community Living’ (gemeinwesenorientierte Hilfen und Lebensräume).
Aber Teilhabe, das machte Hilke Osterwald klar, gebe es nicht zum Nulltarif. „Wenn ‚community care’ als Sparprogramm gesehen wird, muss es scheitern“, mahnte die stellvertretende Direktorin der Stiftung an. Bürgermeisterin Birgit Schnieber-Jastram verwies auf nach wie vor begrenzte Mittel der öffentlichen Finanzierung. Auch sie räumte aber ein, dass Strukturen, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen – wie die Ambulanitisierung von stationären Hilfsabgeboten – nicht weniger, eventuell sogar mehr Kosten mit sich brächten.
Die, zumindest anfängliche erforderliche, soziale Investition indes lohne sich. Pastorin Hilke Osterwald: „Teilhabe kann Potentiale freisetzen, Teilhabe gibt Menschen Sinn in ihrem Leben, Teilhabe ermöglicht eine andere Form des Zusammenlebens.“
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