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Pressearchiv 2008

Hamburg, den 14.11.2008

Menschen mit Behinderungen werden nur selten als Mieter akzeptiert

Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Menschen mit Behinderung leben immer häufiger selbstbestimmt in der eigenen Wohnung. Dort organisieren sie sich selbst die Assistenz, die sie im Alltag brauchen. Sie erhalten professionelle Unterstützung, wo es nötig ist, und nehmen ihr Leben weitgehend selbst in die Hand. Das aber ist oft nur mit Schwierigkeiten möglich. Denn Menschen mit Behinderungen werden häufig nicht als Mieter akzeptiert.

Insbesondere wenn Frauen und Männer mit Behinderung sich zu Lebensgemeinschaften oder Wohnprojekten zusammenschließen, kommt nur selten unmittelbar ein Mietvertrag mit ihnen zustande. Vielen Vermietern erscheint ein solches Rechtsgeschäft als unkalkulierbar, sie sehen sich nicht in der Lage das hohe wirtschaftliche Risiko allein zu tragen, falls ein Mieter mit Handicap kurzfristig auszieht oder seine Form der ambulanten Assistenz aufgibt.

Die Erfahrungen aber sehen anders aus. Hamburg ist mittlerweile Vorreiterin in der ambulanten Begleitung von Menschen mit Behinderung. Die Assistenzgesellschaften der Evangelischen Stiftung Alsterdorf bieten ihre Leistungen schon seit geraumer Zeit nicht mehr in klassischen Heimstrukturen und damit verbundenen Zwangsgemeinschaften an. Auch Frauen und Männer, die einst in Heimen und Anstalten gelebt haben, lernen schnell, ihren Wunsch nach Selbstbestimmung und Eigenverantwortung in die Tat umzusetzen und genießen die eigenen vier Wände. Kompetente ambulante Begleitung trägt dazu bei, dass ihr Alltag in eigener Verantwortung gelingt.

Wie andere Anbieter von Assistenzdienstleistungen auch helfen die Assistenzgesellschaften der Evangelischen Stiftung Alsterdorf im Rahmen des so genannten Hamburger Ambulantisierungsprogramms immer mehr Menschen mit Behinderungen, zu einem eigenständigeren Leben zu finden. Doch das gelingt oft nur, wenn die Assistenzgesellschaft, die insoweit kein wirtschaftliches Eigeninteresse hat, selbst als Zwischenvermieter auftritt. Genau wie andere Hamburger Anbieter bedienen sich die Assistenzgesellschaften der Evangelischen Stiftung Alsterdorf des Notbehelfs, mit den behinderten Frauen und Männern Mietverträge zu schließen. Diese müssen ihrerseits einen Hinweis auf gesetzliche Regelungen enthalten, die ein wirtschaftliches Risiko für die Assistenzdienstleister weitgehend ausschließen.

„Wir sehen uns hier in einer misslichen Lage“, erläutert Hanns-Stephan Haas, Direktor der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. „Es ist nicht unser Ziel, selber als Vermieter zu agieren. Wir wollen in sinnvoller Weise professionelle Assistenz anbieten, damit die Menschen befähigt werden, selbstbestimmt in eigener Häuslichkeit zu leben. Das aber geht nicht ohne Mietverträge.“

Diese sollten nach Möglichkeit direkt zwischen Vermieter und Mieter geschlossen werden. „Wenn das aber nicht möglich ist, müssen wir als Anbieter der Hilfen in Vorleistung gehen und übernehmen eine Rolle als Zwischenvermieter, die gar nicht unserem Stiftungsauftrag entspricht.“ Dabei, so Haas, müssten sich die Evangelische Stiftung und alle anderen Assistenzanbieter der Stadt wohl oder übel gegenüber dem Klienten absichern, um nicht selber ein Risiko zu tragen, das sie gar nicht beeinflussen könnten.

„Wir stehen hier vor der Herausforderung, die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit der vollen Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben zu schließen“, so Hanns-Stephan Haas.

Die Evangelische Stiftung Alsterdorf und ihre Assistenzgesellschaften appellieren daher an die Akteure der Hamburger Wohnungswirtschaft, ihre Bemühungen für Menschen mit Behinderungen zu intensivieren. Sie erwarten vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg die Initiative, im Rahmen des Ambulantisierungsprogramms klare Regelungen zu schaffen, die Mietern mit Behinderungen einen unbeschränkten Zugang zum Wohnungsmarkt ermöglichen. Hanns-Stephan Haas: „Die Stadt Hamburg beansprucht bundesweit eine Führungsrolle bei der Auflösung von Heimen und der Förderung ambulanter Unterstützung.

In der Frage der Mietrechtsgestaltung stehen wir gemeinsam vor der Aufgabe, diesen Anspruch in entscheidendem Maße umzusetzen.“

Kontakt
Evangelische Stiftung Alsterdorf
Bereichsleitung Kommunikation
Wolfram Scharenberg
Telefon 0 40.50 77 35 22
Fax 0 40.50 77 35 82
w.scharenberg@alsterdorf.de
www.alsterdorf.de

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