Pressearchiv 2008
Hamburg, den 19.06.2008
Neues Angebot der psychiatrischen Abteilung am EKA
Ausgebrannt durch Arbeit: Burnout-Sprechstunde bietet Sofort-Hilfe
Krankenkassen und Psychologen schlagen Alarm: Stress droht zur größten Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts zu werden: Nach Angaben des Berufsverbands deutscher Psychologen liegt der relative Anstieg psychischer Erkrankungen in der Arbeitswelt bei 59%. Das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf bietet jetzt Hilfe in seiner neuen ‚Burnout-Sprechstunde’. Darin finden stressgeplagte Patienten schnell und problemlos eine erste Anlaufstelle.
„Diese dramatische Entwicklung lediglich mit dem vielzitierten Leistungsdruck erklären zu wollen, wird dem Problem nicht gerecht“, sagt Prof. Dr. Matthias R. Lemke. „Die Ursachen sind vielschichtiger. Die Veränderungen der gesellschaftlichen Strukturen und Werte haben enorme Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Verdichtung von Aufgaben, wachsende Mobilität und größere Eigenverantwortung im Beruf - vielen Menschen fehlt der Kompass, die Orientierung“, erklärt der Chefarzt der psychiatrischen Abteilung im Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf die Hintergründe.
Von einem Arbeitnehmer werde heutzutage immer mehr an Engagement verlangt, betont Burnout-Expertin Dr. Ulrike Pietsch, Oberärztin in der Psychiatrischen Abteilung. Diese hochengagierten, hochmotivierten Mitarbeiter, die ‚entflammten’, liefen Gefahr auszubrennen, so Pietsch. Doch häufig werden die ersten Symptome eines Burnout-Syndroms nicht erkannt. Erst wenn sich zu den psychischen Problemen körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Magenprobleme, Kopf- und Rückenschmerzen gesellen, suchen die Betroffenen einen Arzt auf. „Dann ist der Prozess schon weit fortgeschritten“, bedauert die Expertin.
Das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf will mit seiner speziell eingerichteten Burnout-Sprechstunde potentiellen Burnout-Kandidaten möglichst frühzeitig helfen. Das Leistungsspektrum reicht von der Diagnose bis zur umfassenden Behandlung.
Bereits telefonisch kann über eine Hotline eine erste Einschätzung der individuellen Burnout-Gefährdung vorgenommen werden. Die vertrauliche und diskrete Beratung über die Burnout-Hotline erfolgt durch Ärzte der Psychiatrie und Psychotherapie.
Weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen werden in der psychiatrischen Abteilung durchgeführt. „Wir gehen bei der Behandlung von Burnout-Krisen in vier Schritten vor“, erläutert Burnout-Expertin Ulrike Pietsch: „Am Anfang steht das Erkennen, gefolgt von der Entlastung, bei der die Auslöser der Krise identifiziert und Themen wie Selbstwahrnehmung, Achtsamkeit mit sich selbst, Stress- und Zeitmanagement, Erlebens- und Verhaltensweisen im Job, Problemlösungsstrategien sowie Körper und Gesundheitsfragen erörtert und Bewältigungstechniken vermittelt werden. Im nächsten Schritt muss eine Erholung durch ausgeglichenere Work-Life-Balance stattfinden, um dann letztlich den Schritt der Ernüchterung gehen zu können, in dem der eigene Lebensstil ehrlich reflektiert werden soll.“
Oberstes Ziel und Arbeitsschwerpunkt der Burnout-Sprechstunde ist eine schnelle, frühzeitige Behandlung, damit die Arbeitsfähigkeit gar nicht erst verloren geht. Deshalb steht das Experten-Team bei Bedarf auch abends und am Wochenende zur Verfügung. Die therapeutischen Maßnahmen sind lösungsorientiert und ganzheitlich. Sie reichen von Entspannungsverfahren, systemisch/psychodynamisch orientierter Psychotherapie, Konfliktmanagementverfahren bis zum Einsatz der Psychopharmakologie.
Mit der psychiatrischen Abteilung des EKA und dem Heinrich Sengelmann Krankenhaus als Akut-Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik greift die Burnout-Sprechstunde auf die komplette Bandbreite moderner Therapiemöglichkeiten zurück. „Wir stimmen die Behandlung individuell auf den Betroffenen ab. Neben einer ambulanten oder teilstationären Therapie erlaubt unsere Klinik vor den Toren Hamburgs sogar eine diskrete Auszeit in einer ruhigen Umgebung“, beschreibt Prof. Lemke die Bandbreite des Alsterdorfer Hilfsangebots.
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