Rumänienhilfe

Mehr als zehn Jahre Projektarbeit
 

Ein alster Mann lächelt in die Kamera

Das Projekt Rumänienhilfe der Evangelischen Stiftung Alsterdorf arbeitet seit 1990 in der Region Bihor in Westrumänien. Mit der Arbeit im Kinderheim Cighid hat es angefangen. Weil hier damals aber bereits viele andere Organisationen tätig waren, konzentrierten wir uns auf die Hilfe für Erwachsene. Unser Schwerpunkt Mitte der 90er Jahre war das psychiatrische Krankenhaus Nucet, das sich mittlerweile von einem „Todeskrankenhaus“ mit einer jährlichen Sterblichkeit von 22% zu einer angesehenen Modelleinrichtung für Rumänien entwickelt hat. Die Hälfte der Patienten hat heute Beschäftigungs- und Arbeitsmöglichkeiten, ein kleiner Teil lebt sogar in einem Rehabilitationshaus mitten im Ort. Eigentlich wollten wir an dieser Stelle weitermachen. Das Tageszentrum in Oradea sollte nur der Anfang sein. Es kam aber anders. Die rumänischen Behörden baten uns Ende der 90-er Jahre, wieder im Bereich der Kinderheime zu helfen.

Das Elend der Kinder in Rumänien

Die Zahl der Kinder in Heimen hat sich seit dem Ende der Ceausescu–Diktatur 1989 verdoppelt. Nur in Estonia und in der Ukraine ist die Zahl der verlassenen Kinder noch größer. Die alte Moral – wenn ich für mein Kind nicht mehr aufkommen kann, muss es der Staat tun – und die neue wirtschaftliche Not kommen zusammen. Allein im Distrikt Bihor mit 600.000 Einwohnern werden bis heute monatlich 10 bis 15 Neugeborene von ihren Müttern verlassen, meist in der Entbindungsklinik zurückgelassen. Auch im Westen wäre jedes öffentliche Hilfesystem damit überfordert. Die Folge: überfüllte Heime, inhumane Bedingungen, keine Förderung, keine Schulausbildung, keine beruflichen Perspektiven. Mit 18 Jahren: raus aus den Heimen, rein in das Heer der Straßenkinder und Straßenjugendlichen, die es mittlerweile in jeder rumänischen Provinzstadt gibt.

Nicht hinschauen hilft nicht. Mit dem Kinder- und Jugendamt des Distriktes Bihor haben wir vor fünf Jahren eine Konferenz durchgeführt, bei der alle Beteiligten am Kinderelend an einem Tisch saßen und sich gegenseitig die erschreckende Entwicklung deutlich gemacht haben. Unser Entschluss stand danach fest. Hier liegt unser Schwerpunkt.

Kinderhäuser statt Kinderheime
 

Eine Gruppe junger Männer lacht die die Kamera

Mit der Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung und vielen weiteren Spenden ist es uns gelungen, zwei Häuser in Oradea für Kinder und Jugendliche aus Heimen zu kaufen. In Anwesenheit von Wolfgang Kraft als Vertreter des Vorstandes unserer Stiftung und Paul Ciobanelu, des zuständigen Ministers aus Bukarest, fand im September 2001 das freudige Ereignis der Einweihung statt.

12 behinderte Kinder leben seitdem in der "Casa Hamburg", 15 Jugendliche und Jungerwachsene mit Behinderungen in der "Casa Franz Max", benannt nach dem verstorbenen Ehemann unserer Unterstützerin Maria Max, die Spenden für dieses Haus im Raum Frankfurt gesammelt hat.

Normalisierung der Lebensbedingungen und Integration in die Gesellschaft sind die Ziele. Aller Anfang ist aber schwer. Christoph Schlüter, unser Vollzeitmitarbeiter vor Ort begleitet die Mitarbeiterteams beider Kinderhäuser ein Jahr lang. Die „Aktion Mensch“ finanziert seinen Einsatz mit. Die Kinder und Jugendlichen besuchen die örtlichen Schulen, mittlerweile auch die nahe gelegenen Sportvereine und Freizeiteinrichtungen. Patenschaften mit deutschen Familien sind eingerichtet. Trotzdem fehlt es noch an vielem. Junge Freiwillige aus Deutschland werden im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres eingesetzt. Trotzdem fehlt es noch an vielem...

Wir verstehen uns aber nur als Anschubhelfer. Träger beider Wohngruppen sind die zuständigen kommunalen Behörden, die auch die Kosten für das Personal und den laufenden Betrieb tragen. Das Interesse am Aufbau solcher Häuser wächst in Rumänien. Es gibt mittlerweile nicht nur einige andere westliche Initiativen, die Wohnhäuser nach unserem Vorbild gründen wollen, auch rumänische Behörden überlegen sich endlich, ähnliche Häuser in größerer Anzahl einzurichten.

Wie geht es weiter ?

Kinderhäuser alleine reichen nicht aus. Die Masse der Kinder lebt nach wie vor in den Heimen, in denen selbst etwas geschehen muss. Der Aufbau von Förder- und Schulprogrammen, Anleitung des Personals und berufsbegleitende Ausbildung sind hier unsere Schwerpunkte.

Wer mehr wissen will: http://www.rumaenienhilfe-alsterdorf.de/

Wer mitarbeiten will, kann sich telefonisch direkt wenden an: Dr. Michael Wunder;
Telefon: 5077-3566
Stichwort DB: Rumänienhilfe


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