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Leitbild der Evangelischen Stiftung Alsterdorf

Das Leitbild beruht auf den Grundlagen der Satzung der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in der Fassung vom 28. Juni 2006.

Gott hat die Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen und als seine Ebenbilder in die Welt gestellt. Die Menschen sind deshalb mit eigener, unveräußerlicher Würde ausgestattet und beauftragt, diese Würde in ihrem Leben und im Leben anderer zu bewahren.

Gott hat die Menschen befreit und zur Gemeinschaft in Achtsamkeit aufgerufen. Zugleich bleiben Menschen immer auf die Erlösung durch Gott und auf die Achtsamkeit ihrer Nächsten angewiesen.

Die Evangelische Stiftung Alsterdorf versteht sich in diesem Sinne mit ihrem diakonischen Auftrag als Teil der einen Kirche Jesu Christi.

Die Evangelische Stiftung Alsterdorf bietet als Verbund diakonischer Gesellschaften in zeitgemäßer Weise qualitativ hochwertige Leistungen für Menschen mit Assistenzbedarf, Klienten, Schüler, Studierende, Patienten und Nutzer von Gesundheitsdienstleistungen an. Sie tut dies mit der professionellen Kompetenz, dem hohen Qualitätsanspruch und der persönlichen Zugewandtheit ihrer Mitarbeitenden.

Vor dem Hintergrund ihrer bald 150 jährigen Geschichte sieht sich die Evangelische Stiftung Alsterdorf insbesondere fünf grundlegenden Orientierungen verpflichtet. Diese knüpfen an Grundeinsichten des reformatorischen Christentums an und weisen das freiheitlich-protestantische Profil der Stiftung aus.

Es sind dies:

Freiheit
Verantwortung
Autonomie
Individualität
Respekt.


Freiheit


Jeder Mensch ist von Gott als ein freies Wesen geschaffen. Wir achten die Würde eines jeden Menschen, indem wir seine Freiheit anerkennen.

Einzelne Phasen der Alsterdorfer Geschichte wie auch der gesamten deutschen Sozialgeschichte waren geprägt durch Paternalismus, autoritäre Fremdbestimmung und Bevormundung der Menschen, die in Einrichtungen der Stiftung lebten.

Im Gegensatz hierzu strebt die Evangelische Stiftung Alsterdorf heute eine Kultur der Freiheit an. Wer Dienstleistungen der Stiftung in Anspruch nimmt, soll, soweit es in seiner Macht steht, über Art und Umfang der Dienste selbst entscheiden.

Alle Mitarbeitenden der Stiftung verfügen, je nach ihrer speziellen Aufgabe, über professionelles Wissen und Kompetenz.

Assistenzbeziehungen sind ebenso wie die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden oder zwischen Behandelnden, Pflegenden und Patienten oft noch von einer Asymmetrie zwischen den Beteiligten geprägt. Wer eine soziale Dienstleistung professionell erbringt, wird häufig als der Akteur wahrgenommen, dem von vornherein eine größere Gestaltungs- und Entscheidungsbefugnis zukommt. Zur Professionalität der Mitarbeitenden gehört es, sich der verschiedenen Rollen im Miteinander von Assistierenden und Menschen mit Assistenzbedarf, Lehrenden und Lernenden, Behandelnden und Patienten bewusst zu sein. Alle Mitarbeitenden treten ihrem Gegenüber trotz des notwendigen Wissens-, Erfahrungs- oder Funktionsunterschieds als einem Gleichberechtigten gegenüber.

Die Evangelische Stiftung Alsterdorf will die Selbstbestimmungskompetenz von Menschen entwickeln und unterstützen. Dies gilt sowohl für Menschen mit Assistenzbedarf und Klienten als auch für Patienten, Schüler oder Studierende. Dazu gehört es auch, ihre Fähigkeit zu stärken, sich im gesellschaftlichen Miteinander Gehör zu verschaffen.


Verantwortung


Als ein freies Geschöpf Gottes trägt jeder Mensch für sich selbst Verantwortung.
Aus der Verantwortung für sich selbst erwächst die Mitverantwortung für die Regeln gemeinsamen Lebens.

Gelebte Freiheit kann nur gelingen, wenn sie Verantwortung des einzelnen für sich selbst einschließt. Im Zusammenleben freier Menschen bedarf es der Verantwortung für gemeinsame Regeln. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass auch ganz unterschiedliche Vorstellungen von Lebensgestaltung miteinander verwirklicht werden können.

Selbstverantwortung bedeutet, für das eigene Tun einzutreten und die Konsequenzen des eigenen Tuns und Lassens zu tragen.

Wer unsere Dienstleistungen in Anspruch nimmt, trägt Verantwortung für sich selbst, soweit er es vermag; seien es Menschen mit Assistenzbedarf, Klienten, Patienten, Schüler oder Studierende.
Zur Verantwortung der Mitarbeitenden gehört es, alle diejenigen, denen sie ihre Dienstleistungen erbringen, für ihre persönliche Verantwortung zu sensibilisieren und ihnen die Folgen ihres Tuns oder Unterlassens nachvollziehbar zu machen.

Die Evangelische Stiftung Alsterdorf übernimmt gesellschaftliche Verantwortung. Ihr wird sie durch hohe ökonomische Effizienz und schonenden Umgang mit den vorhandenen Ressourcen gerecht. Sie engagiert sich in gesellschaftlichen Debatten und gestaltet Entwicklungsprozesse mit.


Autonomie


In freiheitlich-protestantischer Tradition findet Autonomie ihre Ausprägung in gelebter Selbstbestimmung. Wir nehmen die Mündigkeit all derer ernst, die unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

Gelebte Freiheit in Verbindung mit bewusst wahrgenommener Verantwortung mündet in Autonomie. Deswegen stärkt die Evangelische Stiftung Alsterdorf Menschen in der Entwicklung ihrer Autonomie. Diese drückt sich auch in der selbstbewussten Teilhabe an der Gesellschaft aus. Autonomie wird in der Abwehr von Bevormundung und Fremdbestimmung konkret.


Individualität


Jeder Mensch ist ein unverwechselbar eigenes Ebenbild Gottes. Wir wollen der Individualität jedes einzelnen gerecht werden.

Freiheit, Verantwortung und Autonomie gewinnen Gestalt, wo Menschen ihr Leben nach ihren eigenen Entwürfen führen. Die Evangelische Stiftung Alsterdorf erkennt daher die Verschiedenheit von Menschen in ihren jeweiligen Lebenszusammenhängen an. Dies gilt sowohl für Mitarbeitende als auch für die Menschen, die deren Leistungen in Anspruch nehmen.

Von den Mitarbeitenden wird selbstverständlich hohe Professionalität erwartet. Zum Berufsethos gehört auch die Einsicht, dass die Darstellung ihrer Individualität dort eine Grenze erfährt, wo sie dem Auftrag der Evangelischen Stiftung Alsterdorf insgesamt widerspricht oder die erfolgreiche Wahrnehmung ihrer eigenen Berufsaufgaben gefährdet.


Respekt


Gottgewollte Individualität fordert, dass wir einander Respekt zollen. In einer Kultur des Respekts ist die Vielfalt der Lebensstile von Menschen selbstverständlich.

Mehr Verschiedenheit bedeutet in aller Regel auch mehr Konflikt. Umso mehr bedarf es eines elementaren Respekts gegenüber dem jeweils anderen als Person. Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen Person und Werk eines Menschen. Damit weiß sich die Evangelische Stiftung Alsterdorf einer der lutherischen Grundpositionen verpflichtet. Denn niemand geht in seinen Taten auf. Jeder Mensch ist sehr viel mehr und anderes, als was er aus sich selbst gemacht hat und als andere an ihm wahrzunehmen vermögen. Deshalb begegnen die Mitarbeitenden in der Evangelischen Stiftung Alsterdorf allen Menschen in ihrem beruflichen Umfeld, seien es Nutzer ihrer Dienstleistungen, Vorgesetzte oder andere Mitarbeitende, auf gleicher Augenhöhe.





Alle maskulinen Formulierungen schließen die feminine Form mit ein.