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Die Würde des Menschen ist nicht teilbar

Kranzniederlegung am 8. Mai zum Gedenken an die Opfer der ‚Euthanasie‘


Gedenken in kleinem Kreis (v.l.n.r.): Dr. Michael Wunder (Leiter Beratungszentrum Alsterdorf), Klarinettist Michael Meiners, Prof. Dr. Hanns-Stephan Haas, Vorstandsvorsitzender und Pastor der Evangelischen Stiftung Alsterdorf Gedenken in kleinem Kreis (v.l.n.r.): Dr. Michael Wunder (Leiter Beratungszentrum Alsterdorf), Klarinettist Michael Meiners, Prof. Dr. Hanns-Stephan Haas, Vorstandsvorsitzender und Pastor der Evangelischen Stiftung Alsterdorf

Schweren Herzens musste die Gedenkveranstaltung an die Opfer der NS-Euthanasie am 08. Mai 2020 wegen der Corona-Krise abgesagt werden.

 

Dies fiel der Evangelischen Stiftung Alsterdorf aus zwei Gründen besonders schwer: Der 8. Mai 2020 ist der 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus und die Gedenkveranstaltung, die die Stiftung gemeinsam mit den Mitarbeitenden und den Familien der Opfer erstmals am 8. Mai 1995 durchgeführt hat, jährte sich diesmal  zum 25. Mal.

 

Die zu diesem Thema geplante Ausstellung mit den Bildern aller Alsterdorfer Opfer der NS-Euthanasie, die für diesen Tag vorbereitet war, wird zu einem späteren Zeitpunkt gezeigt werden. Ebenso kann der geplante Vortrag  von Prof. Dr. Udo Di Fabio, dem ehemaligen Verfassungsrichter, über die heutige Sterbehilfediskussion vor dem Hintergrund unserer Verfassung und unserer Geschichte, nur nachgeholt werden – spätestens zum 08. Mai 2021.

 

Jedoch fand das Gedenken an die Opfer der NS-Euthanasie, das wie bislang gemeinsam mit der Asklepios Klinik Nord Ochsenzoll, der Evangelischen Akademie der Nordkirche und der Stiftung Freundeskreis Ochsenzoll begangen werden konnte, in diesem Jahr  in einem anderen Rahmen statt. Interessierte konnten der Veranstaltung per Livestream beiwohnen: Prof. Dr. Hanns-Stephan Haas, evangelischer Pastor und Vorstandsvorsitzender und der Ev. Stiftung Alsterdorf und Dr. Michael Wunder, Leiter des Beratungszentrums Alsterdorf , legten stellvertretend für alle in kleinster Runde einen Kranz an der Stolperschwelle in Alsterdorf nieder. Musikalisch begleitet wurde das Gedenken vom Hamburger Klarinettisten Michael Meiners.

 

In seiner Ansprache erinnerte Dr. Wunder an das Schicksal der ermordeten Klient*innen, die Opfer der ‚Euthanasie‘ wurden: „Wir wollen und wir können nicht vergessen, dass aus den ehemaligen Alsterdorfer Anstalten 630 Menschen in die NS-Euthanasie abtransportiert wurden. Es waren Menschen, die lachen und weinen konnten, die Freude hatten und die Angst hatten und die durch die Nationalsozialistische Ideologie zu „unwertem Leben“ erklärt wurden“.

 

Prof. Dr. Hanns-Stephan Haas betonte dies besonders, da angesichts neonazistischer Tendenzen unserer Tage, „…die von Gott gegebene Würde des Menschen immer wieder auch erstritten werden muss, grundsätzlich und im Alltag unseres Handelns. Die Opfer mahnen uns allen Anfängen der Entwürdigung von Menschen entschieden entgegenzutreten. Dies hat 75 Jahre nach dem Ende des nationalsozialistischen Unrechtsstaates nichts an Aktualität verloren.“

 

Die Kranzniederlegung an der Stolperschwelle – dem Ort, der den Abfahrtsort der grauen Busse, die die Euthanasieopfer abtransportierten, markiert –  wurde vom Norddeutschen Rundfunk live mitgeschnitten.

 

Ein Video des Gedenkens kann bei Youtube eingesehen werden. 

 

Text und Foto: Berndt Rytlewski/ESA

Erstellungsdatum 11.05.2020
Kontaktinfos Evangelische Stiftung Alsterdorf
Öffentlichkeitsarbeit
Hans Georg Krings
Telefon: 040 50773483
E-Mail: h.krings@alsterdorf.de