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Ein Pionier wird 200!

Der Gründer der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, Heinrich Matthias Sengelmann, wird in diesem Jahr 200 Jahre alt. Er war der erste in Hamburg und Norddeutschland, der sich für die Belange von Menschen mit Behinderung konsequent einsetzte.


Links: Heinrich Matthias Sengelmann in jüngeren Jahren. Rechts: Heinrich Matthias Sengelmann als Direktor der damaligen Alsterdorfer Anstalten. Links: Heinrich Matthias Sengelmann in jüngeren Jahren. Rechts: Heinrich Matthias Sengelmann als Direktor der damaligen Alsterdorfer Anstalten.

Der Name Heinrich Matthias Sengelmann ist vielen Hamburger*innen oft nur durch die Sengelmannstraße oder die U-Bahnstation gleichen Namens bekannt. Zumindest sein Lebenswerk, die damaligen Alsterdorfer Anstalten, haben in Hamburg eine größere Bekanntheit als er selbst – obwohl er deren Gründer ist.


Dabei hat der promovierte Pastor und Theologe mit der Gründung der damaligen Alsterdorfer Anstalten 1863 Pionierarbeit geleistet, um Menschen mit Behinderung in der damaligen Zeit einen geschützten Lebensraum zu bieten, um sich entwickeln zu können – abseits der sich im rasenden Tempo entwickelnden und sich industrialisierenden Stadt Hamburg. Denn Menschen mit Behinderung lebten zu dieser Zeit entweder in ihren Familien, unter zumeist unzumutbaren sozialen Verhältnissen, oder in den sogenannten „Allgemeinen Armenanstalten“. In diesem Rahmen waren eine angemessene Begleitung oder Förderung undenkbar. Zudem wurde damals im gesellschaftlichen Kontext Menschen mit Behinderung eine Entwicklungsfähigkeit abgesprochen.


Alle Menschen sind gleichwertig und gleichberechtigt
Sengelmann sah aus seinem christlichen Verständnis des Menschen heraus alle Menschen als gleichwertig und gleichberechtigt an, was bei ihm zur Solidarität mit den „schwachen Menschen“ in der Gesellschaft führte. Daraus entwickelte sich auch seine Auffassung, dass jeder Mensch im Grunde bildungsfähig ist, ganz gleich wie schwach seine Sinne entwickelt sind: „Der Begriff der Bildungsfähigkeit ist offenbar zu eng, wenn man nur die Intelligenz zum Maßstabe macht,“ schreibt Sengelmann in seinem Buch ‚Sorgen für geistig Behinderte‘ von 1885.


Ganzheitlichkeit als Primat der Entwicklung
Auch die Ganzheitlichkeit des Menschen war für ihn ein wichtiger Aspekt in der Arbeit mit und für Menschen mit Behinderung, also das Ansprechen aller Sinne durch Bildung, Arbeit und Therapie. „Pflege, Unterricht und Therapie sollten möglichst aus einer Hand kommen, “ hält Sengelmann fest. So gründete er schon sehr früh eine Schule im Rahmen der Anstalten. Verschiedene Gewerke entstanden, wie zum Beispiel eine Gartenbauschule, die Schusterei, eine Korbflechterei und natürlich die Arbeit in der Landwirtschaft – für die Versorgung der Menschen in Alsterdorf. Hinzu kam die medizinische Versorgung. „Die zwischen Krankenhaus und Schule stehende Einrichtung hat mit den kombinierten Mitteln der Medizin und Pädagogik zu wirken. Dabei sollte freilich der Primat auf der Pädagogik liegen,“ beschreibt er seine Vorstellung des Zusammenwirkens der unterschiedlichen Professionen. Beim Umsetzen dieser Ideen und Ziele unterstützten ihn in der täglichen Arbeit seine Frau Jenny Sengelmann, eine Schwestern- und eine Jünglingsschaft sowie Pädagogen und später auch Mediziner.


Forschung, Austausch und Sengelmanns Erbe
Im Zuge seiner Tätigkeit als Direktor der Alsterdorfer Anstalten unternahm er eine Reihe von Forschungsreisen, bei denen er den aktuellen Stand der Forschung zum Thema geistige Behinderung sowie zur Entwicklung der Fürsorge von Menschen mit einer geistigen Behinderung sammelte und dies in seinem Buch von 1885 zusammentrug. Und schon 1874 gründete er die Konferenz der Heilerziehungs- und Pflegeanstalten, als Austauschforum für Direktoren, Ärzte und Pädagogen der nun in ganz Deutschland bestehenden Anstalten für Menschen mit einer geistigen Behinderung – und wurde deren Präsident.


Im Rahmen seiner Arbeit hat Sengelmann für Menschen mit Behinderung einen grundlegenden Beitrag geleistet als Pionier, als Sammler wissenschaftlicher Erkenntnisse und als Praktiker in der Arbeit der Alsterdorfer Anstalten. Heinrich Matthias Sengelmann hat als Pastor und Theologe für die Diakonie, damals Innere Mission, die Arbeit für und mit Menschen mit Behinderung in Hamburg und im Norden begründet


In der sozialpolitischen Landschaft Hamburgs und darüber hinaus hat er immer wieder die Behindertenhilfe in den gesellschaftlichen Diskurs eingebracht und dadurch auch an der Entwicklung staatlicher Finanzierungsmodelle für diese Arbeit maßgeblichen Anteil. Und durch seine Arbeit als Präsident der Konferenz der Heilerziehungs- und Pflegeanstalten gelang es ihm, im Bereich der Medizin und sonderpädagogischer Ansätze viele Entwicklungen auf diesen Gebieten überregional voranzubringen.


Aktivitäten zum 200. Geburtstag
Für die Evangelische Stiftung Alsterdorf ist das 200. Geburtsjahr ihres Gründers ein ganz besonderes Jahr: So wird im Rahmen einer Kranzniederlegung zu seinem Geburtstag am 25. Mai am Grab auf dem Friedhof in Hamburg-Moorfleet zusammen mit Landespastor Dirk Ahrens, dem Vorstand der Ev. Stiftung Alsterdorf sowie der Moorfleeter Gemeinde Heinrich Matthias Sengelmanns gedacht.

Auch die Stadt Hamburg erinnert an den Pionier und Wegbereiter, der auch Mitglied der Hamburger Bürgerschaft war: Im Oktober wird ein Senatsempfang im Hamburger Rathaus zu Ehren Sengelmanns ausgerichtet.


Weitere Informationen zu Heinrich Matthias Sengelmann finden Sie auf unserer Internetseite.
Zudem wird bald eine separate Internetseite zu Sengelmann erscheinen.

Erstellungsdatum 29.03.2021
Kontaktinfos Evangelische Stiftung Alsterdorf
Öffentlichkeitsarbeit
Hans Georg Krings
Telefon: 040 50773483
E-Mail: h.krings@alsterdorf.de