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Filmpremiere »Alsterdorfer Passion«

Ein Film über die Zustände in den Alsterdorfer Anstalten von 1945 bis 1979


Klaus Matzke betonte die Abgeschlossenheit der Bewohnerinnen und Bewohner Klaus Matzke betonte die Abgeschlossenheit der Bewohnerinnen und Bewohner

»Der Film wurde von der Evangelischen Stiftung Alsterdorf an die beiden Dokumentarfilmer Rudolf Simon und Bertram Rotermund in Auftrag gegeben, um sich mit der eigenen Vergangenheit kritisch auseinanderzusetzen«, so Prof. Dr. Hanns-Stephan Haas, Vorstand der Evangelischen Stiftung Alsterdorf (ESA). Die Hälfte der Produktionskosten wurde von der Landeszentrale für Politische Bildung getragen. In dem Film beschreiben ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner zahlreiche Strafaktionen und Misshandlungen wie, Ruhigstellung durch Medikamente, Fixierungen, mehrwöchige Zwangs-Bettruhe, Duschen mit kaltem Wasser, Essenentzug und körperliche Gewalt. In den großen Schlafsälen mit mehr als 40 Betten gab es keine Intimsphäre. Die Frauen und Männer waren durch eine fünf Meter hohe Mauer auf dem Anstaltsgelände getrennt. Der Kollegenkreis Alsterdorf, eine Gruppe Mitarbeitender, die diese erschreckenden Zustände nicht hinnehmen wollten, formierte sich ab Mitte der 70er Jahre und machte diese Situation publik. Mit einem Artikel im Zeitmagazin 1979 wurden diese Zustände öffentlich gemacht. In der Folgezeit erhielten die damaligen Alsterdorfer Anstalten mehr öffentliche Gelder für die Begleitung von Menschen mit Behinderung. Neue pädagogische Konzepte, orientiert an den Bedürfnissen der Menschen, wurden entwickelt und Schritt für Schritt umgesetzt. Dezentrale Wohnangebote in den Stadtteilen von Hamburg entstanden.

 

Der Film ergänzt die Aufarbeitung der Zeit nach 1945 in Alsterdorf und bietet auch kommenden Generationen die Möglichkeit, sich mit dieser schwierigen Materie auseinander zu setzen. Hanns-Stephan Haas wies in diesem Zusammenhang auch auf die Rolle der im vergangenen Jahr gegründeten Stiftung »Anerkennung und Hilfe« hin. Sie bietet Menschen, die als Kinder und Jugendliche in der Zeit vom 23. Mai 1949 bis zum 31. Dezember 1975 in der Bundesrepublik Deutschland bzw. vom 7. Oktober 1949 bis zum 2. Oktober 1990 in der DDR in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren haben, Entschädigung an. 86 ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner der damaligen Alsterdorfer Anstalten haben bereits Leistungen erhalten, bei 41 läuft der Antrag noch und es werden noch weitere dazukommen. Haas kündigte an, dass 2019, im Rahmen einer Veranstaltung mit der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, eine Zwischenbilanz gezogen werden soll.

 

Nach dem Film hatte das Publikum die Gelegenheit, die beiden Filmemacher zu befragen. Auch die Zeitzeugen äußerten sich. So unterstrich Wolfgang Breitel die untergeordnete Rolle von Bildungsangeboten in den damaligen Anstalten, die kaum Möglichkeiten für eine berufliche Entwicklung zugelassen haben. Klaus Matzke verwies auf die strengen Besuchszeiten für Angehörige und die Kontrolle an der damaligen Eingangspforte. Beides sei ein Indiz für die Isolation der Menschen in den Anstalten gewesen.

 

Der Filmabend klang bei Getränken und Snacks mit interessanten Gesprächen aus.

 

Der Film wird über die Landeszentrale für Politische Bildung, und auch in der Stiftung erhältlich sein und in kommunalen Kinos gezeigt werden.

 

Kontakt:
Beratungszentrum Alsterdorf
beratungszentrum@alsterdorf.de 

 

Text: Ursula Behrendt

Erstellungsdatum Mittwoch, 21. März 2018
Kontaktinfos Evangelische Stiftung Alsterdorf
Öffentlichkeitsarbeit
Hans Georg Krings
Telefon: 0 40.50 77 34 83
E-Mail: h.krings@alsterdorf.de
Ansprechpartner Beratungszentrum Alsterdorf
beratungszentrum@alsterdorf.de