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Gedenkkonzert

Die Nacht, in der die Synagogen brannten, jährte sich am 9. November 2018 zum achtzigsten Mal


(v.l.) Daniel Abdin, Konzertorganistin Kerstin Petersen und Dr. Michael Wunder (v.l.) Daniel Abdin, Konzertorganistin Kerstin Petersen und Dr. Michael Wunder

Nachdem der katholische Kinderchor Cantemus zwei Liebeslieder gesungen hatte, führte Michael Wunder vom Beratungszentrum Alsterdorf der Evangelischen Stiftung Alsterdorf ins Thema ein, einer Zeit »in der die Liebe abwesend war.« Am 19. Oktober 1938 wurde das Altarbild in St. Nicolaus eingeweiht. Es zeigt zwölf Menschen mit Heiligenschein und drei Menschen ohne Heiligenschein. »Damit enthält das Altarbild eine schwierige Doppelbotschaft, da drei Menschen als nicht gleichwertig dargestellt wurden«, so Wunder. Dieses Altarbild soll ab 2019 in einen Erinnerungsort umgewandelt werden. »Am 31.10.1938 wurden die jüdischen Bewohner der Alsterdorfer Anstalten ausgeschlossen und von Sammelanstalten aus in den Tod gebracht«, so Wunder.

 

Moderiert wurde die Gedenkveranstaltung von Pastor Nils Petersen aus der Hamburger Rathauspassage, der sich selbst in seiner Familiengeschichte mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt hat. Gespielt wurden Chor- und Orgelmusik verfolgter jüdischer und zeitgenössischer Komponisten zum Thema Holocaust: Herman Berlinsky, Modechaj Gebirtig, Susan Lindmark, Arvo Pärt, Milan Slavicky und Eric Whitacre. Die Besucher der Veranstaltung brachen zum Gang zum Mahnmal der Stiftung für die Opfer der Euthanasie unter den damaligen Bewohnern auf.

 

Am Mahnmal legte Michael Wunder Blumen nieder, Berndt Rytlewski von der Diakonischen Profilentwicklung las ein jüdisches Gebet vor und Katharina Seiler von der Diakonischen Profilentwicklung las die 28 Namen der deportierten Jüdinnen und Juden aus den damaligen Alsterdorfer Anstalten vor.

 

Daniel Abdin, Vorsitzender des Rats der islamischen Gemeinschaften, kritisierte in seiner Ansprache die derzeitigen antisemitischen und antimuslimischen Angriffe als Bedrohung für den gesellschaftlichen und sozialen Frieden. »Greueltaten des Naziregimes dürfen sich nicht wiederholen. Es muss auf Dialog und Austausch gesetzt werden«, so Abdin. Michael Nüssen, Mitglied der jüdischen Gemeinde Hamburg, war erkrankt, so dass seine Ansprache verlesen wurde. Darin betonte er: »Ich bin heute als jüdischer Bürger Deutschlands sehr zufrieden und auch ein bisschen stolz über den Gesinnungswandel der Gesellschaft, der seit den 70-er Jahre eingesetzt hat. Auch die Evangelische Stiftung Alsterdorf hat sich seit dieser Zeit mit ihrer dunklen Seite der Geschichte auseinandergesetzt. Ich bin aber sehr froh, gerade in dieser Zeit, wo Fremden- und Rassenhass wieder modern zu werden drohen, mit so vielen wahren Demokraten mit dieser Veranstaltung ein Zeichen gegen diese Entwicklung setzen zu dürfen.« Zum Abschluss tanzte und sang der Kinderchor den »Song of Hope« und Michael Wunder bedankte sich bei allen Beteiligten für die gelungene Gedenkveranstaltung.

Erstellungsdatum 12.11.2018
Kontaktinfos Evangelische Stiftung Alsterdorf
Arndt Streckwall
Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 040.50 77 37 96
E-Mail: a.streckwall@alsterdorf.de