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Heinrich Matthias Sengelmann

Von der „Christlichen Arbeitsschule“ zum St. Nicolai-Stift


Mit dem St. Nicolai-Stift legte Sengelmanns die Grundlage für die späteren Alsterdorfer Anstalten. Mit dem St. Nicolai-Stift legte Sengelmanns die Grundlage für die späteren Alsterdorfer Anstalten.

Vor genau 171 Jahren – am 16. April 1850 – begründete Heinrich Matthias Sengelmann in der Kirchengemeinde Moorfleet eine „Christliche Arbeitsschule“, nachdem der promovierte Theologe dort vier Jahre zuvor das Amt des Pastors übernahm. Besonders Johann Wilhelm Rautenberg, Gemeindepastor in Hamburg-St. Georg und später auch ein Freund und Kollege Sengelmanns, und dessen Idee zur Errichtung einer Sonntagsschule im Jahre 1825, haben ihn bei dieser Entscheidung nachhaltig beeinflusst.

Familienhaus, Lehr- und Arbeitsschule

„So ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und so ein Glied wird herrlich, so freuen sich alle Glieder mit“, zitierte Sengelmann aus dem 1. Korintherbrief des Neuen Testaments am Tag der Einweihung seiner „Christlichen Arbeitsschule“. Besonderes Augenmerk lag nun, wie auch schon bei Rautenberg, auf den „Schwachen“ in der Gemeinde. Dies waren Kinder und Jugendliche, die in großer Armut lebten, weil sie von ihren Eltern für die Arbeit benötigt wurden und ein Schulbesuch daher nicht in Frage kam; ihnen drohte häufig auch Verwahrlosung und Kriminalität. Sie sollten tagsüber in der „Christlichen Arbeitsschule“ gesundheitlich sowie in „Hand- und Kopfarbeit“ gefördert werden und eine praktische Berufsvorbereitung erhalten. Dazu bekamen sie reichhaltige Mahlzeiten, spielten nachmittags im Pfarrgarten und wurden dabei zu gläubigen Christen erzogen.

Dass die Schulkinder weiterhin zum Teil immer noch dem schlechten Einfluss ihrer Eltern ausgesetzt waren, führte 1853 zu einer Umstrukturierung der Einrichtung zugunsten der Hauskinder, die auch abends und nachts dortblieben. Die „Christliche Arbeitsschule“ wurde in „St. Nicolai-Stift“ umbenannt, ihr Einzugsgebiet vergrößert und organisatorisch auf die Struktur eines Vereins hin ausgerichtet mit Vorstand, Ordnung und Hausordnung. Aus der einstigen Arbeitsschule wurde somit eine „Bewahr-Anstalt“.  

St. Nicolai-Stift

Bis zum Zeitpunkt der Neuausrichtung besuchten insgesamt 32 Kinder die Schule in Moorfleet. Das pädagogische Programm war vielfältig: Die Kinder erlernten unter anderem das Korb-Flechten, konnten lesen, rechnen, schreiben und hauswirtschaftliche Aufgaben übernehmen. Finanziert wurde das Stift anfangs über den Verkauf von Produkten aus Eigenanfertigung sowie durch Geld- und Sachspenden. Die Zahl der Unterstützer*innen wuchs innerhalb der ersten Jahre rasch an und auch die Gemeinde überwand allmählich ihre anfängliche Skepsis.  

Integration der Kinder in die Gemeinschaft

Mit der Eröffnung der „Christlichen Arbeitsschule“ in Moorfleet zeichnete sich bereits Sengelmanns Engagement, benachteiligten Kindern Chancen für ihr weiteres Leben in der Gesellschaft aufzuzeigen, ab. Später, mit der Gründung der Alsterdorfer Anstalten, richtete er den Fokus speziell auf Menschen mit Behinderung, die damals noch ganz am Rande der Gesellschaft standen.   

 

Weitere Informationen zu Heinrich Matthias Sengelmann finden Sie hier.

Text von Nadine Wagner

Erstellungsdatum 16.04.2021
Kontaktinfos Evangelische Stiftung Alsterdorf
Öffentlichkeitsarbeit
Hans Georg Krings
Telefon: 040 50773483
E-Mail: h.krings@alsterdorf.de