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Ist ein barrierefreies Hamburg Zukunft oder Illusion?

Podiumsdiskussion des Förderkreises der Ev. Stiftung Alsterdorf


V. l.: Franz-Josef Höing, Bernd Kritzmann, Peter Wenig, Sylvia Pille-Steppat und Hanns-Stephan Haas führten eine spannende Debatte zum Thema barrierefreies Hamburg V. l.: Franz-Josef Höing, Bernd Kritzmann, Peter Wenig, Sylvia Pille-Steppat und Hanns-Stephan Haas führten eine spannende Debatte zum Thema barrierefreies Hamburg

Zum 10. Stadtgespräch mit dem Thema „Hamburg barrierefrei – Zukunft oder Illusion?“ lud der Förderkreis der Evangelischen Stiftung Alsterdorf zu seiner Veranstaltungsreihe Stadtgespräche in die Wirtschaftskanzlei MÖHRLE HAPP LUTHER ein.

 

Auf dem Podium diskutierte der Hamburger Abendblatt-Autor Peter Wenig mit Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing, Prof. Bernd Kritzmann von der HafenCity Universität, Architektin und Paralympics-Sportlerin Sylvia Pille-Steppat sowie mit dem Vorstandsvorsitzenden der Ev. Stiftung Alsterdorf, Prof. Hanns-Stephan Haas darüber, wie im Rahmen der Stadtplanung in Hamburg Neubauvorhaben, aber auch gewachsene Quartiere barrierefrei gestaltet werden können.

 

„Wir müssen konsequent aus der Nutzerperspektive heraus arbeiten und gemeinsam mit Menschen mit Unterstützungsbedarf unideologisch und pragmatisch Wohnraumlösungen finden. Dabei müssen wir weltweit wahrnehmen und schauen, was wir übernehmen können“, stellte Hanns-Stephan Haas fest.

 

Sylvia Pille-Steppat, die selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist, unterstrich den Vorschlag von Hanns-Stephan Haas mit ihrem Wunsch an angehende Architekten: „Alle Architekturstudenten sollten sich in ihren Seminaren einmal in den Rollstuhl setzen oder die Augen verbunden bekommen und sich dann durch die Stadt bewegen. Das Erleben am eigenen Körper ist eine gute Erfahrung.“

 

„Die Studenten sind absolut offen für diese Themen. Eine barrierefreie Umwelt hilft uns schließlich allen,“ schilderte Uni-Professor Bernd Kritzmann in diesem Zusammenhang aus seiner eigenen Erfahrung. Und mit Blick auf die Baukosten riet er: „Fahrstühle sind immens teuer. Gegebenenfalls sollte man darüber nachdenken, den Keller wegzulassen und dafür entsprechende Abstellflächen in der Wohnung und einen Fahrstuhl zu planen. Es sollte aber unbedingt so gebaut werden, dass man den Fahrstuhl später problemlos nachrüsten kann. In zehn Jahren wird es Standard sein, dass Mehrfamilienhäuser einen Fahrstuhl haben.“

 

Franz-Josef Höing erwiderte aus seiner Perspektive als Oberbaudirektor: „Eine inklusive Stadt verträgt sich ästhetisch mit dem Thema Barrierefreiheit, aber nicht an jeder Stelle. Es gibt kein Patentrezept und nicht jedes ältere Haus ist aufrüstbar. Es ist eine große Anstrengung, die inklusiven Belange gut zu integrieren. Dabei muss man mit Behindertenverbänden um eine gute Lösung ringen, damit alle Beteiligten zu ihrem Recht kommen.“ Zum anstehenden Planungsverfahren auf dem Kleinen Grasbrook, wo ein neues Wohnviertel entstehen soll, schlug er vor: „Ich lade alle ein, sich bei der Planung mit einzubringen. Im öffentlichen Diskurs kann gemeinsam festgelegt werden, wie ein neuer, inklusiver Stadtteil aussehen kann.“

 

Michael Eggenschwiler, Chef des Hamburger Flughafens und Kuratoriumsvorsitzender des Förderkreises der Ev. Stiftung Alsterdorf e.V., zeigte sich von der lebhaften Diskussion erfreut: „Das Schwerpunktthema unserer heutigen Podiumsdiskussion zeigt, wie wichtig es ist, miteinander ins Gespräch zu kommen und im steten Austausch zu bleiben, um bessere Lebensbedingungen für alle Menschen im Quartier zu schaffen. Denn nur gemeinsam schaffen wir es, Hamburg Stück für Stück sozial zu gestalten“.

 

Mit Hilfe der Veranstaltungsreihe Stadtgespräche möchte der Förderkreis das Thema Inklusion mit seinen verschiedenen Facetten immer wieder in den gesellschaftlichen Focus rücken, Menschen dafür sensibilisieren und sie miteinander vernetzen.

 

Über den Förderkreis der Ev. Stiftung Alsterdorf

1975 gegründet, engagiert sich der Förderkreis der Ev. Stiftung Alsterdorf übergreifend für alle Angebote der Stiftung und unterstützt bei der Finanzierung außergewöhnlicher Projekte. Dabei versteht sich der Förderkreis als Dialogpartner, schafft Netzwerke und gibt Impulse für Themen und Projekte. Darüber hinaus stärkt er die Bekanntheit der Stiftung und generiert finanzielle Mittel zu ihrer Unterstützung. Im Laufe der Zeit konnten über 5 Millionen Euro für verschiedenste Projekte zur Verfügung gestellt werden.

 

Weitere Informationen zum Förderkreis finden Sie hier.

 

Fotos: Andrea Gutzeit
Text: Güde Lassen-Damaschke und Hans Georg Krings

Erstellungsdatum Donnerstag, 28. Juni 2018
Kontaktinfos Evangelische Stiftung Alsterdorf
Öffentlichkeitsarbeit
Hans Georg Krings
Telefon: 0 40.50 77 34 83
E-Mail: h.krings@alsterdorf.de