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Mensch und Kommunikation

Der Kommunikationsforscher Friedemann Schulz von Thun in der Bugenhagenschule


Friedemann Schulz von Thun und Schüler Lukas Weber und Schülerinnen Lia Campos und Paula Bergmann in der Fragerunde - Fotos: Ursula Behrendt Friedemann Schulz von Thun und Schüler Lukas Weber und Schülerinnen Lia Campos und Paula Bergmann in der Fragerunde - Fotos: Ursula Behrendt

Friedemann Schulz von Thun stellte in der Bugenhagenschule seine Kommunikationsmodelle vor und wurde anschließend von Schülerinnen und Schülern dazu befragt.

 

Zunächst stellte der Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun in der gut gefüllten Aula der Bugenhagenschule das Nachrichtenquadrat vor. Es ist ein seit vierzig Jahren gültiges Kommunikationsmodell. Das Kommunikationsquadrat beruht auf der Annahme, dass jede Äußerung nach vier Aspekten (Seiten) hin interpretiert werden kann – vom Sender der Äußerung wie auch vom Empfänger. Diese vier Seiten der Nachricht werden im Modell durch je eine Quadratseite in einer eigenen Farbe repräsentiert:

1.     Auf der Sachseite (blau) informiert der Sprechende über den Sachinhalt, d. h. über Daten und Fakten.

2.     Die Selbstoffenbarung (grün) umfasst, was der Sprecher durch das Senden der Botschaft von sich zu erkennen gibt.

3.     Auf der Beziehungsseite (gelb) kommt zum Ausdruck, wie der Sender meint, zum Empfänger zu stehen, und was er von ihm hält.

4.     Was der Sender beim Empfänger erreichen möchte, wird von der Appellseite (rot) repräsentiert.

 

In der zwischenmenschlichen Kommunikation gibt es aber nicht nur denjenigen, der sich äußert – den Sender –, sondern gleichzeitig auch einen, der zuhört – den Empfänger. Während der Sender mit »vier Schnäbeln« spricht, hört der Empfänger mit »vier Ohren«. Die vier Seiten der gesendeten Nachricht, also das, was der Sender mit einer Äußerung ausdrücken und bewirken will, entsprechen oftmals nicht den vier Seiten, wie sie vom Empfänger interpretiert werden. Deshalb machen die vier Seiten einer Nachricht zwischenmenschliche Kontakte spannend, aber auch spannungsreich und anfällig für Störungen.

 

Anschließend stellte Schulz von Thun das Modell des Inneren Teams vor. Das Modell zeigt, dass man oft »mehrere Seelen in der Brust« hat. Sie melden sich (mehr oder weniger vernehmlich), bevor, während und nachdem wir sprechen. Schulz von Thun nennt dies Inneres Team.

 

Er nimmt hierfür das Beispiel einer fleißigen Studentin, von der sich ein wenig engagierter Kommilitone eine Mitschrift ausborgen will. Sie möchte nicht nein sagen und schwankt dadurch emotional zwischen Ärger (»Er nutzt dich aus«) und Kollegialität (»Man muss sich gegenseitig helfen«). Dadurch entsteht ein innerer Zwiespalt. In seinem Modell nennt Schulz von Thun solche inneren Anteile »Stimmen« oder »Mitglieder des Inneren Teams«. Es ist wichtig, jedes Innere Teammitglied zu würdigen, denn »innere Pluralität« ist menschlich und wertvoll. »Denn wer sich selbst gut kennt, kann besser kommunizieren«, so Schulz von Thuns Fazit zum Inneren Team. Am Beispiel der neuen sozialen Medien stellte Schulz von Thun das Modell des Inneren Teams mit Hilfe des Publikums noch einmal vor. Da gibt es innere Stimmen wie »Ich bin neugierig darauf« oder »Das ist mir zu viel, mich damit zu beschäftigen«.

 

Im Anschluss an seinen Vortrag konnten der Schüler Lukas Weber und die Schülerinnen Paula Bergmann und Lia Campos Schulz von Thun zu seinen Theorien noch befragen. Sie wollte u. a. wissen, welches Teammitglied des Inneren Teams am Stärksten vertreten sei. Schulz von Thun antwortete, dass das von der Persönlichkeit abhänge. Sie wollten außerdem wissen, ob die inneren Streithähne sinnvoll seien und ob man auf sie achten soll, was Schulz von Thun bejahte. Paula Bergman wollte wissen, ob es eine typisch weibliche oder männliche Kommunikation gäbe. Schulz von Thun antwortete, dass sich die Unterschiede in den letzten Jahren angeglichen hätten. Es wäre aber immer noch so, dass Männer eher auf der Sachebene und Frauen auf der Beziehungsebene kommunizieren würden.

 

Im Anschluss bedankte sich Schulleiter Jörg Münch bei Schulz von Thun, der seit einigen Jahren Pate des Oberstufenprofils »Mensch und Kommunikation« ist, und lud ihn ein, bald wieder zu kommen.

 

Texr: Ursula Behrendt

Erstellungsdatum Montag, 9. April 2018
Kontaktinfos Evangelische Stiftung Alsterdorf
Öffentlichkeitsarbeit
Hans Georg Krings
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