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Viel erreicht – und noch viel zu tun

10 Jahre UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen


Es gilt noch viel Hindernisse abzubauen - Fotos von Mauricio Bustamante Es gilt noch viel Hindernisse abzubauen - Fotos von Mauricio Bustamante

Am 26. März 2009 trat die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft.
Mit der Konvention erkennt die internationale Staatengemeinschaft das Thema Behinderung als Menschenrecht an. Sie hat in den letzten zehn Jahren weitreichende Veränderungen auf rechtlicher und politischer Ebene bewirkt. Vor 2006 waren Menschen mit Behinderungen zwar durch die Menschenrechtscharta geschützt, aber eine Konkretisierung und Spezifizierung universeller Menschenrechte aus der Perspektive der Menschen mit Behinderungen vor dem Hintergrund ihrer Lebenslagen war dringend notwendig geworden.
So bekennen sich Deutschland und derzeit 177 weitere Länder zur UN-Konvention und haben sich mit ihrer Unterzeichnung dazu verpflichtet, sie umzusetzen.

 

»Ziel der Konvention ist es, politische, wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu verwirklichen. In der Praxis heißt das: Alle Menschen sollen an allen Bereichen des täglichen Lebens teilhaben können – unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Darauf haben sie durch die Konvention einen gesetzlichen Anspruch. Sie müssen nicht mehr als Bittsteller auftreten, sondern können ihre Rechte jetzt selbstbewusst einfordern. Inklusion ist ein Menschenrecht« fasst Prof. Hanns-Stephan Haas, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, die Absicht der Konvention zusammen.

 

Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert!

Es sind nicht ihre Beeinträchtigungen, die Menschen behindern, sondern die Barrieren, auf die Menschen in ihrem täglichen Leben treffen und die sie nicht überwinden können. Auch die Beweislast hat sich verschoben: Heute hat ein behindertes Kind z.B. ein Recht auf inklusive Schule. Wenn eine Schule ihm den Schulplatz verweigert, dann muss sich die Schule dafür rechtfertigen.
Das Bewusstsein für ein inklusives Miteinander ist zwar in den letzten Jahren, auch mit Hilfe der UN-Konvention, gestiegen, aber es bedarf zukünftig noch vieler weiterer Aktivitäten, um Verbesserungen auf den Weg zu bringen. Das liegt unter anderem daran, dass zum Beispiel Barrierefreiheit im privaten Bereich nicht verpflichtend ist: »Erheblicher Handlungsbedarf besteht beim Abbau von Barrieren in fast allen Lebensbereichen des Alltags. Es gibt noch zu wenige barrierefreie Wohnungen und auch in den öffentlichen Bereichen ist Barrierefreiheit noch keine Selbstverständlichkeit« so Haas.
Aber nicht nur dort gibt es noch viele Handlungsfelder: »Für Menschen mit Behinderung gibt es in der medizinischen Versorgung viele Barrieren: Menschen mit komplexen Behinderungen können ihre Beschwerden oft nicht äußern, sind verunsichert oder haben Angst vor einer Untersuchung. Die möglichen Folgen: Krankheiten werden zu spät erkannt oder nicht richtig behandelt. Zum Glück gibt es in Hamburg inzwischen einige Initiativen, die das verändern wollen« beschreibt Ulrich Scheibel, Medizinvorstand der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, die Versorgungssituation. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Gesundheit 25*, initiiert von der Evangelischen Stiftung Alsterdorf und von Aktion Mensch gefördert. Modellhaft soll in drei Hamburger Quartieren ein Konzept entwickelt werden, das zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung vor Ort beiträgt.

 

Zentrales Ziel der UN-Konvention ist es, eine tolerante Gesellschaft zu gestalten, in der alle Menschen mit ihren jeweiligen Fähigkeiten teilhaben, Wertschätzung erfahren und sich aufgehoben fühlen. Um das zu erreichen – dafür sind wir alle gefragt.

Erstellungsdatum 25.03.2019
Kontaktinfos Evangelische Stiftung Alsterdorf
Öffentlichkeitsarbeit
Hans Georg Krings
Telefon: 040 50773483
E-Mail: h.krings@alsterdorf.de