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Zum Beispiel – Heike Fischer

Sozialpädagogin in den Bugenhagenschulen

 

Alsterdorf Wie sind Sie zur Stiftung gekommen?

 

Heike Fischer Ich bin 1985 nach Hamburg gezogen, um Sonderpädagogik zu studieren. Während meines Studiums habe ich privat einen schwerst mehrfachbehinderten jungen Mann betreut, der damals im Wilfried-Borck-Haus gelebt hat. Bis 1992 habe ich diesen jungen Mann ein Mal in der Woche besucht. Das war meine erste Begegnung mit der Stiftung.

Als ich 1992 das 1. Staatsexamen gemacht habe, wollte ich nicht an eine Schule, weil ich während des Studiums gemerkt habe, dass ich beruflich mehr in Richtung Lebensbegleitung gehen möchte. Deshalb lag es für mich nahe, mich in der Stiftung zu bewerben, schließlich hatte ich hier schon eine gewisse Verbindung. Ich bewarb mich erfolgreich auf eine Stelle als Projektleitung zum Aufbau eines Wohnprojektes. Mehr als vier Jahre habe ich dieses Wohnprojekt aufgebaut und geleitet. Im Anschluss habe ich den Bereich Qualitätsmanagement mit aufgebaut. Zehn Jahre lang habe ich als Qualitätsbeauftragte und später als Case Managerin gearbeitet und den Bereich weiterentwickelt.

Dann kam einer der Tiefpunkte meiner beruflichen Tätigkeit in der Stiftung. Meine Abteilung wurde aufgelöst. Nach einer schon vorhandenen Zusage, mich weiterhin als Sozialpädagogin zu beschäftigen, wurde mir auf einmal nur noch ein Arbeitsplatz als Erzieherin im Assistenzdienst angeboten. Als ich das ablehnte, sollte ich gekündigt werden. Mein Vorgesetzter und auch die Mitarbeitervertretung haben sich damals sehr für eine Weiterbeschäftigung als Sozialpädagogin eingesetzt und mir wurde dann eine Stelle an der Schule angeboten – anfangs als Erzieherin, mit der Zusage, eine Stelle als Sozialpädagogin zu erhalten.

Und so bin ich an die Bugenhagenschule gekommen: die Alternative wäre die Kündigung gewesen.

 

Alsterdorf Wie sind Ihre Erfahrungen mit diesem Alternativangebot?

 

Heike Fischer Ich muss sagen, die Zeit, als die Abteilung aufgelöst wurde und meine berufliche Zukunft alles andere als sicher war, war natürlich eine ganz schreckliche Zeit. Für mich hat sich diese Veränderung aber ausgesprochen positiv ausgewirkt, weil ich an den Bugenhagenschulen meine berufliche Heimat gefunden habe: Ich arbeite sehr gerne hier und fühle mich wohl.

 

Alsterdorf Welche Motivation haben Sie hier zu arbeiten? Was hat Sie in den vergangenen zwanzig Jahren motiviert?

 

Heike Fischer Das sind unterschiedliche Dinge. Einmal weiß ich, mein Talent, meine Begabung liegt im engen, direkten Kontakt mit Menschen. Andererseits hat es mir auch immer Spaß gemacht, neue Dinge zu entwickeln. Ich bin inzwischen mehr als zwanzig Jahre in der ESA und hatte unterschiedliche Arbeitsplätze. Die Stiftung bietet eine große Vielfalt an Arbeitsplätzen und Entwicklungsmöglichkeiten. Von daher habe ich immer gedacht, wenn ich mich einmal beruflich verändern möchte, dann habe ich in der Stiftung dazu die entsprechenden Möglichkeiten. Das war meine Motivation: Ich hatte das Gefühl, mein Talent und meine Begabung kann ich hier einbringen.

Darüber hinaus ist mir wichtig, dass mein Arbeitsplatz mir einen gewissen Rahmen bietet, in dem ich selbstständig arbeiten kann. An der Bugenhagenschule leite ich gemeinsam mit einem Lehrer eine eigene Klasse. Meine Vorstellungen kann ich im Team einbringen und umsetzen. Außerdem unterrichte ich das Fach Kunst. Das ist möglich, weil ich das 1. Staatsexamen habe. So habe ich in meiner Funktion als Sozialpädagogin die Möglichkeit, meine Talente und Fähigkeiten unterschiedlich einzubringen.

Dies alles zusammen führt dazu, dass ich zur Zeit eine hohe Arbeitszufriedenheit habe.

 

Alsterdorf Wo sehen Sie Knackpunkte in Ihrer Arbeit?

 

Heike Fischer Die Arbeitsverdichtung hat zugenommen. Ich arbeite jetzt sechs Jahre an der Schule und verbringe deutlich mehr Stunden hier als am Anfang. Die Arbeit ist anstrengend, gerade mit Kindern. Du bist jeden Tag direkt gefordert und musst ständig »präsent« sein. Es gibt Tage, da bin ich von 8 – 16 Uhr im Unterricht, das kostet Kraft. Gerade, wenn in den Pausen auch noch Dinge zu erledigen sind oder spontan auf Vorfälle reagiert werden muss.

Eine weitere Sache, die ich anstrengend empfinde, sind die ständigen Veränderungen, die uns begleiten – manchmal von außen angestoßen, manchmal durch interne Entwicklungen. Der ständige Veränderungsprozess kostet ebenfalls viel Kraft und Energie. Manchmal möchte ich einfach nur mal 2 oder 3 Jahre »vor mich hin« arbeiten, ohne dass sich ständig etwas ändert.

 

Alsterdorf Hat für Sie die diakonische Ausrichtung der Stiftung eine Rolle gespielt?

 

Heike Fischer Nein, obwohl ich in der evangelischen Kirche Zuhause bin. Ich bin bewusst und überzeugt evangelisch. Ich finde es gut, dass es einen christlichen Hintergrund gibt. Allerdings wird er wenig gelebt. Er könnte lebendiger und zeitgemäßer sein.