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  • 2003 - heute
Alsterdorfer
Markt
2003
150-jähriges Bestehen

Und heute?

Umstrukturierung und Erweiterung

Im Jahr 2005 beschlossen Vorstand und Stiftungsrat alle Leistungsbereiche der Stiftung in gemeinnützige Betriebsführungsgesellschaften umzuwandeln. Damit wurden die Kernkompetenzen gestärkt. Seit April 2005 präsentieren sich die Arbeitsfelder der Stiftung in dieser neuen Organisationsstruktur. Die Bereiche Schule, Kinder- und Jugendhilfe sowie das Beratungszentrum Alsterdorf und das Betreute Wohnen Hamburg verblieben dabei innerhalb der Holding.
Ende des Jahres 2005 wurde die Evangelische Stadtmission Kiel in den Unternehmensverbund der Stiftung aufgenommen.

Das Quartier als Sozialraum

Heute steht der Mensch mit seinen ihm eigenen Bedürfnissen im Mittelpunkt der Arbeit und seine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Dienstleistungen der Stiftung richten sich an dem individuellen Bedarf der Menschen aus. Daher ist die ESA auch im jeweiligen Quartier aktiv, vor Ort, da wo Menschen eine auf sie zugeschnittene Unterstützung brauchen - an mehr als 180 Standorten in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
2010 wurde dazu das Quartiersentwicklungsprojekt Q8 gestartet. Q8 möchte die Entwicklung der Quartiere so unterstützen, dass alle Menschen dort selbstbestimmt und gut versorgt leben können, bis ins hohe Alter, mit oder ohne Handicap. Richtungsweisend ist auch hier die UN-Behindertenrechtskonvention. Sie setzt sich dafür ein, dass die Benachteiligung von Menschen mit Handicap aufhört und diese als vollwertige Bürger der Gesellschaft anerkannt werden.

Evangelische Stiftung Alsterdorf lockert die Kirchenzugehörigkeit

Im Jahr 2015 hebt die Evangelische Stiftung Alsterdorf als größter diakonischer Dienstgeber in Norddeutschland die formale Kirchenzugehörigkeit für Mitarbeitende auf. Die sogenannte ACK-Klausel setzt die Mitgliedschaft von Mitarbeitende in einer der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen angehörenden Institution voraus. Diese Klausel gilt nicht mehr für die Evangelische Stiftung Alsterdorf (ESA). Die ESA führt damit den Weg zur Inklusion auf arbeitsrechtlicher Ebene fort. »Wir erbringen Dienstleistungen für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen mit dem Ziel der vollständigen gesellschaftlichen Teilhabe. Das besagt unser Leitbild. Entsprechend gilt dies auch für unsere Mitarbeitenden, gleich welche Überzeugungen sie vertreten«, begründet der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, Professor Hanns-Stephan Haas die Entscheidung. »Wir unterstützen weiterhin die freiwillige Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche in unserer Belegschaft, sie ist aber keine Zugangsvoraussetzung mehr«, so Haas. Mit diesem Schritt verbindet die ESA die Stärkung und Weiterentwicklung eines modernen christlichen Unternehmensleitbildes. So verpflichten sich Mitarbeitende bewusst, nach den christlichen Prinzipien der Stiftung zu arbeiten. »Wir stärken dadurch unsere Werte, denn der Leitgedanke christlicher Verantwortung spielt dadurch eine noch stärkere Rolle in unserem unternehmerischen Handeln, unabhängig von formaler Mitgliedschaft«, unterstreicht Haas.

Anerkennung der Opfer von Gewalt und Unrecht in der Behindertenhilfe

Unter der Überschrift »Die haben uns behandelt wie Gefangene« fand 2017 die Hamburger Auftaktveranstaltung »Zur Anerkennung der Opfer von Gewalt und Unrecht in der Behindertenhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie« in der Kulturküche auf dem Alsterdorfer Markt statt. Zahlreiche Menschen haben in den Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie in den 1950er bis 1970er Jahren Leid und Unrecht erlebt. Die neue Stiftung »Anerkennung und Hilfe« der Bundesregierung, der Kirchen und der Bundesländer hat das Ziel, diese Unrecht öffentlich anzuerkennen, die Geschehnisse wissenschaftlich aufzuarbeiten und die Betroffenen finanziell zu unterstützten.

Evangelisch, inklusiv, reformpädagogisch …

Die Bugenhagenschulen sind staatlich anerkannte, evangelische und inklusiv arbeitende Grund- und Stadtteilschulen im Ganztagsbetrieb mit gymnasialer Oberstufe. Sie gehören zum Bereich Bildung der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Neben dem Standort in Alsterdorf gibt es jeweils eine Grundschule in Hamm, Ottensen und Groß-Flottbek. Im Stadtteil Blankenese befindet sich eine Grund- und Stadtteilschule. Selbstgesteuertes und vernetztes Lernen stehen in den Bugenhagenschulen im Mittelpunkt. Ausgehend von ihrem christlichen Menschenbild ist es ihnen wichtig, jedes Kind individuell zu fördern und als einzigartige Persönlichkeit anzunehmen. 2017 wurde ihr 150-jähriges Jubiläum mit einem Open-Air-Gottesdienst und bunten Darbietungen von Schülern und Schülerinnen im großen Rahmen auf dem Alsterdorfer Markt gefeiert.

Gelebte Inklusion

Das Stiftungsgelände mit dem Alsterdorfer Markt hat sich in den letzten Jahren im Rahmen der Geländeentwicklung mehr und mehr zu einem inklusiven Treffpunkt und Quartier entwickelt. Ob Open-Air-Kino, Konzerte oder Lesungen - Barrierefreiheit steht bei allen Veranstaltungen an erster Stelle
Das inklusive Restaurant Kesselhaus am Alsterdorfer Markt erhielt 2017 den ersten Inklusionspreis des Sozialverbandes Deutschland Landesverband Hamburg (SoVD) im Bereich Gaststätten. Sowohl der Service als auch die zwölf individuell ausgestalteten Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap überzeugten die Jury. Zehn Menschen mit schwerem Handicap arbeiten dem Restaurant zu. Sie waschen zum Beispiel Salat, schälen Kartoffeln oder reiben Parmesankäse. Zwei Werkstatt-Mitarbeiter mit Handicap arbeiten im Service und in der Küche des Restaurants.
Der Alsterdorfer Markt wurde 2017 von der Stadt Hamburg mit dem Inklusionspreis »Wegbereiter der Inklusion« ausgezeichnet. Der schon 2003 national wie international beachtetet Marktplatz gilt als ein Musterbeispiel eines lebendigen Quartierszentrums, welches auf dem Gelände einer ehemaligen geschlossenen Anstalt entstanden ist. Heute sorgen täglich ca. 5.000 Besucherinnen und Besucher für einen lebendigen Ort im Norden Hamburgs.