Der Theologe mit dem Bagger

Portrait Rolf Baumbach

„Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, bringt Pastor Uwe Mletzko, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, das Wirken seines Vorgängers Rolf Baumbach auf den Punkt. Anlässlich seines 20. Todestages hat der Vorstand der ESA ein Buch über ihn herausgebracht, das im Anschluss an den Gedenkgottesdienst in der Stiftungskirche St. Nicolaus vorgestellt wurde.

 Blick ins Buch

Wer war Pastor Rolf Baumbach? 30 ehemalige Weggefährt*innen haben diese Frage beantwortet, von ihren Erfahrungen und der Zusammenarbeit berichtet; daraus haben die beiden Autorinnen Rose-Marie Hoffmann-Riem und Andrea Walter ein Buch gestaltet, das die starke Persönlichkeit Baumbachs lebendig werden lässt und einen Einblick gibt in die Entwicklung der Evangelischen Stiftung Alsterdorf von 1993-2006, als Rolf Baumbach Vorstandsvorsitzender war.

In seiner Predigt zeichnete Pastor Uwe Mletzko den Beginn von Baumbachs Amtszeit nach – als klar war, dass die Anstaltszeiten vorbei waren, aber das Neue noch gestaltet werden musste: „Keine tragfähigen Budgets und kein prall gefülltes Bankkonto, mit dem man sich Träume hätte erfüllen könnte. Keine modernen Gebäude, sondern marode Häuser, in denen es keine Kraft gab, das Neue zu denken. Keine zukunftsfähigen fachlichen Konzepte und zukunftsfähigen Modelle, wie Inklusion wirklich gelingen kann. Keine Idee, wie man in einer stärker sich säkularisierenden Welt Evangelische Stiftung sein will und kann.“

Aber Baumbach hatte eine Vision, er konnte Menschen begeistern – und wenn es sein musste, auch stur und durchsetzungsstark sein. Allein die Überschriften der Interviews, die Grundlage für das Buch sind, sprechen Bände: „Eigensinn und Freiheit“, "Der große, kräftige Mann mit der harten Schale und dem weichen Kern“, „Ein genialer Visionär“, „Sein Herz schlug offenbar mehr für die Schrägen als für die Angepassten.“

"Er war seiner Zeit voraus“, sagt Ulrich Scheibel, heute Vorstand der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, der Anfang der 1990er Jahre als junger Mitarbeiter der Stiftung Baumbachs Wirken beobachtete. Es gelang ihm nicht nur, die Stiftung wirtschaftlich wieder zu stabilisieren, sondern auch das Gelände zu modernisieren und vor allem die Haltung zu Menschen mit Behinderung zu ändern: weg von der überbehütenden und bevormundenden „Fürsorge“ – hin zur Förderung von Selbstbestimmung und Selbstständigkeit.

Pastor Mletzko: „Er hat Wege geöffnet, die heute selbstverständlich erscheinen – aber damals Mut gebraucht haben. Für die damalige Zeit war er der richtige Mensch an diesem Ort. Und wir spüren heute noch sehr viel von dem, was Rolf Baumbach verwirklicht und ermöglicht hat. Ohne ihn gäbe es keinen Alsterdorfer Markt und damit keine Öffnung in der Weise, wie wir sie heute leben. Wir können Vieles nutzen, müssen aber auch wieder weiterdenken und neu denken. Aber wir tun dieses mit großer Dankbarkeit, weil wir heute auf gutem Fundament gegründet sind.“

 Blick ins Buch

Schlagworte:

  1. Stiftung

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