Gesund und fit im Alter

Eine ältere Frau unterhält sich.

Älter werden ist leichter gesagt als getan. Für viele ist es schwierig, einfach zu akzeptieren, wie der Körper sich verändert. Plötzlich kann man Dinge nicht mehr, die man nie wirklich hinterfragt hat oder einen vielleicht ausgemacht haben. Man bemerkt die Veränderungen auch nicht nur selbst – das ganze Umfeld nimmt sie nach und nach wahr. Das kann zu Verunsicherung führen.

Auch die Wahrscheinlichkeit dafür, eine Behinderung zu erwerben, nimmt mit dem Alter zu. Denn, was vielen nicht bewusst ist, die meisten Menschen mit Behinderung werden im Laufe des Lebens erworben. So sind über 50% der Menschen mit Behinderung mindestens 65 Jahre alt (Sozialbericht 2024 bpb).

Doch auch wer keine anerkannte Behinderung hat, profitiert im Alter von Barrierefreiheit. Denn der Abbau von Hürden hilft auch anderen Menschen. So kommt man mit einem Kinderwagen oder Rollator besser durch die Stadt, wenn die Bürgersteige abgesenkt oder Gebäude über Rampen erreichbar sind. Auch Einstellmöglichkeiten der Kontraststufen oder das Vergrößern der Schrift kommt älteren Menschen entgegen. Deshalb kann man Alter und Behinderung nicht voneinander trennen.

Doch was kann man tun, wenn man nicht allein älter werden möchte? Wenn man mit seinem Körper zusammen auch dieses Kapitel meistern will – ohne Vorwürfe, sondern auf Augenhöhe?

Sportmöglichkeiten für Senior*innen – Fit bleiben mit über 60 in Hamburg

Einfach Sport machen. Wenn das nur so einfach wäre! Wenn die Muskeln und Gelenke nicht mehr so wollen, ist es verständlich, dass man erstmal nicht mehr so viel Lust auf Bewegung hat. Es tut ja auch alles weh. Doch so gehen die Schmerzen nicht weg – sie werden nur schlimmer.

Wer lange was von seinem Körper haben möchte, muss diesen auch trainieren. Deswegen sollte man seinen Körper regelmäßig durch Sport gezielt herausfordern, damit er auch standhält, wenn man mal falsch auftritt oder schwere Kisten schleppen muss. Mit regelmäßigem Sport – auch im Alter – sinkt die Verletzungsgefahr.

Was ist das Besondere an Sportangeboten für ältere Menschen?

Das Gute an inklusiven Sportangeboten speziell für Senior*innen ist, dass sie niedrigschwellig sind. Das heißt: Man kann immer einsteigen – beispielsweise wenn man lange keinen Sport mehr gemacht hat oder aufgrund einer Krankheit zurückstecken musste. Die Intensität kann man dann mit der Zeit erhöhen.

Viele Übungen kann man so anpassen, dass alle sie machen können. Manch einer startet im Sitzen und stärkt nach und nach die Muskeln wieder. Wem die Übung leichter fällt, macht eine schwierigere Variante.

Ein festes Sportangebot in der Woche gibt einem auch wieder eine Routine. Die Arbeit hat lange das Leben strukturiert und wenn die weg ist, muss man sich wieder überlegen, wie man denn leben möchte. Endlich kann man wieder lange ausschlafen, essen wann man will und hat so viele Freiheiten. So schön das auch ist, einigen fehlt dann eine feste Taktung. Ein wöchentlicher Sportkurs (oder auch ein anderes Angebot) kann schon im Kleinen einen Impuls für mehr Zeitgefühl geben. Und je öfter man hingeht, desto mehr kennt man die Leute und wird Teil einer eingeschworenen Gemeinschaft.

Welche Sportangebote gibt es speziell für ältere Menschen?

Der Sportlotse Johannes Fürst baut nach und nach in Hamburg Sportangebote für Senior*innen auf. Er arbeitet beim Bereich Sport und Inklusion der Evangelischen Stiftung Alsterdorf.

In diesen Stadtteilen hat er schon niedrigschwellige Angebote etabliert:

Eine Stunde im Bewegungsangebot in Alsterdorf läuft beispielsweise so ab: Zuerst gibt es einen Aufwärmteil. Hier wird der Körper darauf vorbereitet, dass er später mal etwas schneller reagieren muss und die Gelenke etwas herausgefordert werden. Dafür machen die Teilnehmenden Dehn- und Gymnastikübungen zum Beispiel mit einem Terraband oder einer Flexi Bar, einem schwingenden Stab. So werden die Muskeln und die Koordination gestärkt. Danach folgen Bewegungsspiele wie Boccia oder Leitergolf, einem Wurf- und Geschicklichkeitsspiel. Am Ende kommen nochmal ruhigere Übungen oder auch Atemübungen zum Ausklang.

Weitere Angebote finden sich auf der Übersichtsseite mit Sportangeboten für Ältere des Hamburger Sportbunds (HSB).

Wenn Sport allein die Lebensgeister jedoch nicht wieder antreibt, könnte der Grund auch tiefer liegen. Häufig entwickeln Menschen mit zunehmendem Alter und bei gleichzeitig abnehmenden Alltagsfähigkeiten eine Depression.

Ist das normal oder eine Altersdepression?

Was kann man machen, wenn das Leben sich schwerer anfühlt als es sollte? Zunehmende Alterserscheinungen und ein sich veränderndes soziales Umfeld gehen nicht spurlos an einem vorbei. Manche können das gut wegstecken, aber längst nicht alle. Das kann zu psychischen Krisen und Erkrankungen auch im höheren Alter führen.

Auch länger zurückliegende Belastungen können wieder auftreten. Im fest strukturierten Alltag und Berufstätigkeit können sie meist besser kompensiert werden. Mit dem Eintritt ins Rentenalter wird dies aber zunehmend schwieriger.

Dennoch: Bis ins hohe Alter ist jeder Mensch in der Lage, Neues aufzunehmen, zu lernen und sich den veränderten Lebensbedingungen anzupassen. Eine gerontopsychiatrischen Behandlung kann hier unterstützen, eine neue erfüllende Richtung für das weitere Leben zu finden.

Was ist Gerontopsychiatrie?

Die Gerontopsychiatrie gehört zur Psychiatrie, arbeitet aber eng mit der Geriatrie zusammen. Denn ab ungefähr 65 Jahren können psychische Beschwerden enger in Verbindung mit körperlichen Erkrankungen, Veränderungen durch Altern oder im sozialen Umfeld stehen.

In der Gerontopsychiatrie werden häufig folgende Erkrankungen behandelt:

  • Depression
  • Angsterkrankungen
  • Traumata
  • Suchterkrankungen

Die Gerontopsychiatrie arbeitet interdisziplinär – also im engen Austausch mit mehreren Fachrichtungen, wie Fachärzt*innen und Fachkräften u.a. aus der Psychiatrie, Geriatrie und Ergotherapie. Ziel ist eine ganzheitliche Behandlung, die sowohl die psychische Gesundheit als auch körperliche Erkrankungen, Medikamente, Lebensumstände und das soziale Umfeld berücksichtigt – zum Beispiel durch medikamentöse Therapien, psychotherapeutische Gespräche, aktivierende Maßnahmen wie Gedächtnistraining oder Ergotherapie sowie die Einbindung von Angehörigen in den Behandlungsprozess.

Das übergeordnete Ziel der Gerontopsychiatrie ist es, die Selbstständigkeit, Lebensqualität und soziale Teilhabe älterer Menschen möglichst lange zu erhalten oder zu verbessern.

In den neuen freundlich gestalteten Räumlichkeiten der Gerontopsychiatrie am Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf werden all diese Krankheitsbilder ganzheitlich behandelt. Für das multiprofessionelle Team mit seinem vielseitigen Therapieangebot stehen die Patient*innen mit ihren individuellen Bedürfnissen im Mittelpunkt.

 Broschüre Gerontopsychiatrie im EKA

Auch in Schleswig-Holstein sind Angebote unter dem Dach der Evangelischen Stiftung Alsterdorf zu finden: Die Heinrich Sengelmann Kliniken sind auf die seelische Gesundheit spezialisiert und bieten auch eine gerontopsychiatrische Behandlung an.

 Gerontopsychiatrie im HSK

Wie möchte ich im Alter leben und wohnen? Wie finde ich im Alter die passende Unterstützung für mich?

Mit zunehmendem Alter ist man auch zunehmend auf Unterstützung angewiesen. Dabei gibt es ganz verschiedene Modelle und Möglichkeiten, wie eine Unterstützung aussehen kann. Gibt es Familie und Freunde, die einen begleiten? Steht man in gutem Austausch mit der eigenen Nachbarschaft? Möchte man in der eigenen Wohnung bleiben oder lieber in ein betreutes Wohnen ziehen?

Die Lots*innen des Modellprojekts QplusAlter beraten Senior*innen sowie ihre An- und Zugehörigen, damit Menschen bis ins hohe Alter möglichst selbstbestimmt leben können. Das bedeutet, dass sie so leben, wie sie es wollen.

Sie unterstützen die Menschen dabei, zu formulieren, was ihnen wichtig ist und wie sie leben wollen. Gemeinsam erkunden sie, was der Mensch selbst machen kann und welche Unterstützung es im sozialen und räumlichen Umfeld des Menschen gibt. Daraus entwickelt sich nach und nach ein individueller Plan.

Sie finden die Lots*innen von QplusAlter in vielen Stadtteilen Hamburgs. Schauen Sie doch mal nach, ob auch ihr Stadtteil dabei ist, und nehmen Kontakt auf.

 zu QplusAlter

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