LUISA: Vielfach ausgezeichnetes inklusives Kino über ein tabuisiertes Thema

Eine Frau schaut in den Spiegel. Man sieht ihr Gesicht im Anschnitt und ihr Spiegelbild komplett. Darüber steht in Großbuchstaben Luisa

Festivaleinladungen nach Shanghai und Chicago, Auszeichnungen bei den Bremer Filmtagen und Verleihung des Förderpreises „Neues Deutsches Kino“ bei den Hofer Filmtagen: Der Spielfilm LUISA begeistert Filmkritiker*innen und Publikum.  „Ich gratuliere der ganzen Filmcrew zu diesem großartigen Erfolg“, freut sich Stefani Burmeister, Vorständin der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. „Es ist wichtig, dass das Thema sexualisierte Gewalt Raum bekommt. LUISA zeigt eindrucksvoll die künstlerische Kraft inklusiver Projekte – und macht die Arbeit von barner16 sichtbar.“

Die Jury des Filmfests Bremen würdigte Celina Scharff in der Titelrolle LUISA „in einer Darstellung von berührender Intensität und magnetischem Charisma. Sie trägt diesen Film, ohne ihn je zu erklären. Sie führt uns an die Grenzen des Vorstellbaren: Wir können nicht in die Köpfe anderer Menschen schauen, so sehr wir es auch versuchen – wir können uns nur annähern, nur Fragen stellen“ – Jurybegründung Filmfest Bremen.“ Sie ist Teil des inklusiven Theaterensembles „Meine Damen und Herren“, das zum Künstlernetzwerk barner 16 der alsterarbeit und Evangelischen Stiftung Alsterdorf gehört.

Darum geht es in dem Film: Luisa ist eine junge Frau, die in einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderung lebt und unerwartet schwanger wird. Die 22-Jährige spricht nicht darüber, was passiert ist. Fragen, Verunsicherung, Ängste, Scham, Wut und Verdächtigungen sind spürbar – die Zuschauer*innen erleben unmittelbar, was diese Situation auslöst. Damit greift der Film ein Thema auf, das oft tabuisiert wird: sexualisierte Gewalt gegen Frauen mit Behinderung – und die Grenzen von Schutzstrukturen.

Das Besondere an LUISA ist, dass es einen paritätischen Cast gibt, der aus zehn Schauspieler*innen mit und zehn ohne Behinderung besteht. So eine Besetzung hat es im deutschen Film – mit einem schwierigen Thema und künstlerische anspruchsvoller Umsetzung – noch nicht gegeben.

Die Produktion wurde von werkgruppe2 entwickelt. Die drei Filmemacherinnen Julia Roesler, Insa Rudolph und Silke Merzhäuser recherchierten intensiv, führten Gespräche und bezogen das Ensemble in die Entwicklung der Figuren ein: „Wir haben uns bewusst entschieden, für den Cast das Performance-Kollektiv „Meine Damen und Herren anzusprechen“, berichtet die werkgruppe2 über den Entstehungsprozess. „Denn uns war wichtig, mit einem erfahrenen Ensemble zu arbeiten, dessen Mitglieder aus der gemeinsamen Bühnenarbeit vertraut sind, geübt in Improvisation, Figurenentwicklung und kritischer Reflexion von Arbeitsprozessen. Darüber hinaus war uns ein Team wichtig, das die schwierigen Themen des Films – wie Leben in Wohneinrichtungen mit wenig Privatsphäre, teils anstrengende Werkstattarbeit, Kinderwunsch, begrenzten Raum für Sexualität sowie Graubereiche zwischen Zuneigung und Übergriffen – offen bespricht, aufklärt, Informationen teilt und bei Bedarf emotional unterstützt wird.

Inklusives Drehen als gemeinsamer Prozess


Für LUISA wurde Inklusion konsequent umgesetzt: Das Drehbuch war Grundlage für den Austausch mit den Schauspieler*innen, Szenen wurden gemeinsam erarbeitet und weiterentwickelt. Proben bekamen mehr Zeit, Abläufe wurden angepasst. Celina Scharff über die Dreharbeiten: „Wir hatten einen Kameraworkshop mit der Schauspielerin Cornelia Dörr. Sie hat uns die Abläufe am Set erklärt, mit uns Szenen vor der Kamera geprobt und uns auch ganz praktische Tipps gegeben, z. B. wie wir mit großer Aufregung am Set umgehen können. Und wir haben im Vorfeld auch mit unseren Spielpartner*innen Peter Lohmeyer, Trixi Strobel, Martin Schnippa und Hadi Khanjanpour geprobt. Auch den Drehort haben wir uns vorher angesehen, zwei Tage mit allen aus unserem Kollektiv, und wir haben das Team vorher kennengelernt.” So entstand ein Arbeitsprozess, der künstlerische Qualität mit echter Teilhabe verbindet. Eine begleitende Dokumentation zeigt die Vorbereitungen und die intensive Zusammenarbeit während des Drehs.

Stella Edler leitet das inklusive Künstler*innen-Netzwerk barner 16, zu der die Theatergruppe gehört. Sie betont, wie wichtig das Thema des Films ist: „Wir wissen, dass Frauen mit Behinderung oft Grenzerfahrungen und Grenzüberschreitungen erleben. Wichtig ist, dass wir darauf aufmerksam machen, uns gegenseitig stärken und den Mut haben, dies zu benennen und es sehen zu wollen. Das Ensemble „Meine Damen und Herren“ hat dabei so einzigartig die Charaktere des Spielfilms gespielt, mit einer Präzision und Professionalität – das ist Inklusion.“

Mit dem Kinostart erreicht LUISA nun ein breites Publikum – und stößt eine notwendige gesellschaftliche Auseinandersetzung an.

Hier erfahren Sie, wo Sie LUISA im Kino sehen können.

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