Schrittmacher für inklusive Bildung für die Kleinsten

Kinder spielen drinnen an einem Klettergerüst mit Rutsche

Die Idee war einfach – und für ihre Zeit revolutionär: Kinder mit Behinderung sollten nicht mehr ausgesondert werden. Sie sollten in die Gemeinschaft integriert werden. 1974 wurde die „Kita am WOI“ gemeinsam mit dem Werner Otto Institut als erste integrative Kindertagesstätte in Hamburg gegründet.

Der Alsterdorfer Markt war noch ein abgegrenztes Anstaltsgelände und das Projekt hatte Modellcharakter: Damals noch in den Räumen des Werner Otto Instituts in der Bodelschwinghstraße 23 beheimatet, wurden insgesamt 30 (später 36 Kinder) mit und ohne Behinderung in drei Elementargruppen betreut. Die Kleinsten erhielten in der Kita am WOI erstmals die Chance, gemeinsam aufzuwachsen. Von Anfang an ging das pädagogische Team mit viel Herzblut und beraten von den Therapeut*innen und Ärzt*innen des Werner Otto Instituts an die Arbeit, die fachliche Expertise und die inhaltlichen Angebote stetig weiterzuentwickeln.

Künftig können rund 94 Kinder in der Kita am WOI betreut werden – in zwei Krippengruppen, drei Elementargruppen und einer kleineren Gruppe für Kinder, die eine reizärmere Umgebung benötigen.

Die Aktion Mensch hat die Baumaßnahmen der Erweiterung der Kita WOI mit fast 100.000 € unterstützt. Des Weiteren wurde die Erweiterung mit über 186.000 € von Stiftungen, Unternehmen und privaten Spender*innen finanziert. Die ESA und die Kita WOI bedanken sich sehr herzlich für diese großzügige Unterstützung bei allen Fördernden, ohne die dieses wichtige Projekt nicht realisierbar gewesen wäre.

Anlässlich des runden Jubiläums feierten die Kinder der Kita am WOI mit ihren Familien, den Betreuer*innen und Unterstützer*innen eine bunte Geburtstagsparty.

Dr. Thilo von Trott, Vorstand der Evangelischen Stiftung Alsterdorf: "Heute feiern wir nicht nur den 50. Geburtstag, sondern auch die Erweiterung unserer Kita am WOI, die im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde – und wunderbar gelungen ist! Die Zeit des Umbaus bei laufendem Betrieb war eine echte Herausforderung, insbesondere für  die Mitarbeiter*innen. Ihnen und allen an diesem Mammutprojekt Beteiligten möchte ich im Namen des gesamten Vorstands herzlich danken. Am ‚lebenden Objekt‘ eine Kita zu erweitern, mit drei Brandschutzkonzepten, neuen Einbauten und den damit verbundenen Umzügen: das war großartig!“

Eva-Maria Kopte, Bereichsleitung Bildung Ost der ESA: „Dieser Ort ist aus ganz unterschiedlichen Gründen besonders, aber lassen sie mich einen Aspekt betonen: Hier leben Kinder, in einer ihrer wichtigsten Prägephasen zusammen. Als Gemeinschaft ganz unterschiedlicher Menschen, verschiedener Herkunft, Muttersprachen und Startbedingungen, mit und ohne Behinderung. Sie leben hier ganz selbstverständlich zusammen, lernen voneinander, essen miteinander und teilen ihren Alltag.“

Irina Dammer, Kita-Leitung: „Bei allen Fragen, die Kinder direkt betreffen, ist es unser Ziel, als Erwachsene die Meinung der Kinder anzuhören und sie bei unseren Entscheidungen zu berücksichtigen.“

Anne Spieker, Gesamtleitung der Kita am WOI und des Kinderhauses St. Nicolaus, hob die herausragende Leistung des gesamten Kita-Teams hervor und bedankte sich herzlich für deren pädagogische Arbeit, Kreativität und Geduld: „Vieles was wir umbauen und anschaffen konnten, wäre ohne die großzügigen Spenden nicht möglich gewesen. Es freut mich, dass einige unsere Unterstützer*innen heute hier mit uns feiern und wir uns auf diesem Wege sehr herzlich bedanken können.“

Blick in die Geschichte der Kita am WOI - Herausfordernde Umbrüche, Zeiten des Wandels

Mit der Einführung des Kita-Gutscheinsystems im Jahr 2003 verschärften sich die wirtschaftlichen Bedingungen und Anforderungen. Für das Kita-Team und die Elternschaft bedeute das: Mehr Kinder pro Gruppe, Qualitätsmanagement, Dokumentationen, Gutachten für Kinder mit Förderbedarf.

Seit 2005 bieten die Hamburger Bildungsempfehlungen einen verbindlichen Orientierungsrahmen für die pädagogischen Arbeit in Kitas. Dadurch wurden Kindertagesstätten endlich als Bildungseinrichtung akzeptiert. Insbesondere der Bereich Heilpädagogik wurde weiterentwickelt. Kitas dürfen seither nur noch Kinder mit Behinderung betreuen, wenn entsprechend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht.

2005 zog die Kita von den Räumen des Werner Otto Instituts in ihre neue Heimat im Paul-Stritter-Weg 7 – ebenfalls am Alsterdorfer Markt.

2014 wurde eine der Elementargruppen in eine Krippengruppe umgewandelt. Seither gibt es ein Bildungsangebot für Kinder ab einem Jahr bis zur Einschulung.

Erweiterung der Kita

Überlegungen, das Angebot der Kita am WOI auszuweiten, gab es schon lange – auch um die Kooperation mit der Bugenhagenschule Alsterdorf zu intensivieren. In der Folge wurden verschiedene Standorte auf dem Stiftungsgelände in den Blick genommen. Schließlich konnten die jetzigen Räume erweitert – und damit auch der besonders schön gelegene Spielplatz – erhalten werden.

Der Umbau begann im Mai 2022 und wurde im Oktober 2023 fertiggestellt. Die Bauarbeiten bei laufendem Betrieb stellten eine große Herausforderung insbesondere für die Mitarbeiter*innen und die Kinder der Kita dar.

Pädagogisches Konzept

Die Kita am WOI hat sich zum Ziel gesetzt, alle Kinder an qualitativ hochwertiger Bildung teilhaben zu lassen, unabhängig von Behinderung, Sprache, Geschlecht, kulturellem Hintergrund, Religion, Migrationsstatus, sozialer oder ökonomischer Voraussetzungen

Das Kita-Team richtet seine Arbeit individuell an den Bedürfnissen und Bildungsprozessen der Kinder aus. Dabei wird das Familiensystem mit einbezogen, etwa die Situation von Geschwisterkindern in der Kita. Die Pädagog*innen verstehen sich mit ihrem Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag als Partner*innen für Eltern und Familien.

Die pädagogische Praxis wird vorurteilsbewusst gestaltet, um frühzeitig Einseitigkeiten, Ausgrenzungen und Ungerechtigkeiten zu erkennen und sich aktiv dagegen einzusetzen.

Unterstützte Kommunikation ist ein fester Bestandteil der pädagogischen Arbeit und Voraussetzung der gelebten Teilhabe.

Die Kita am WOI ist angekommen. In den erweiterten Räumen und in ihrem über die Jahrzehnte gewachsenen pädagogischen Konzept. Rund 30 Erzieher*innen, Heilerziehungspfleger*innen, Sozialpädagogische Assistent*innen, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger*innen, Psycholog*innen, Sozialpädagog*innen und Hauswirtschaftskräfte sind jeden Tag für die Kinder da. Sie spielen, lachen und arbeiten mit den Kleinen. Trocknen Tränen, bringen sie zum Staunen und Zuhören. Sie sind da, um ihnen einen guten Start ins Leben zu geben.

 

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