Eine Frau in schwarzer Kleidung hält ein Buch und schaut in die Kamera.

Wer war Jenny Sengelmann?

Über Heinrich Sengelmann, den Begründer der heutigen Evangelischen Stiftung Alsterdorf, ist viel bekannt. Die Stiftung hat Bücher über ihn herausgegeben, sein Wirken hinterfragt und eingeordnet.

Doch was war mit seiner Frau Jenny? Immerhin war sie seit ihrer Hochzeit noch vor Gründung der damaligen Alsterdorfer Anstalten für mehrere Jahrzehnte an seiner Seite.

Fragt man heute Mitarbeiter*innen, wer Jenny Sengelmann war, so kommen Antworten, wie: „Sie hat ihrem Mann den Rücken freigehalten.“

„Sie war streng und hielt ein hartes Regiment.“

„Sie war bärbeißig.“

Oder auch: „Ach, Jenny Sengelmann? Das lohnt sich nicht, darüber zu berichten.“

Aber stimmt das wirklich? Oder gibt es über Jenny noch mehr Details, die über die Jahre in Vergessenheit geraten sind?

Ein Rechercheteam bildet sich

Gestellt hat diese Fragen das Projektteam von Wege zu Inklusion. Das ist ein Bereich der Stiftung, der inklusive Führungen über das Stiftungsgelände anbietet – und deswegen ziemlich viel über die Geschichte der Evangelischen Stiftung Alsterdorf weiß.

Wir wussten wenig über Jenny Sengelmann. Nur, dass sie hier den "Laden geschmissen hat", solange ihr Mann auf seinen vielen Reisen war. Also musste sie doch eine wichtige Rolle gespielt haben - das hat uns neugierig gemacht.Julia Rath, Projektleitung von "Wege zur Inklusion"

Das Team geht ins Archiv

Wer von uns mitmacht, war schnell klar: Christina, Cornelia, Lisa und Julia aus unserem Team fanden sich mit dem Archivar der Stiftung Ulrich zusammen, um gemeinsam über Jenny Sengelmann zu berichten.

Wie bei jeder Recherche startet das Projekt mit einer Bestandsaufnahme im ESA-eigenen Archiv. Hier schaut das Rechercheteam, was es alles über Jenny Sengelmann zu erfahren gibt.

Die Gesprächsrunden

Nächster Schritt: Austauschen über das, was das Team im Archiv gefunden hat. Für die Recherche sind diese Gesprächsrunden besonders wichtig. Denn einige Mitglieder von uns können nicht lesen – deswegen lesen wir uns gegenseitig alles vor, was wir im Archiv gefunden haben.

 

Und wer war Jenny Sengelmann jetzt?

Durchsetzungsfähig, hilfsbereit, stark, clever, mutig, ehrgeizig – das ist Jenny Sengelmann für das Team von Wege zur Inklusion. Nicht nur war sie die Ehefrau von Heinrich Sengelmann, sondern auch für mehrere Jahrzehnte ein leitender Teil der Alsterdorfer Anstalten.

Dass sie für damalige Verhältnisse als herrisch wahrgenommen wurde, kann das Rechercheteam gut nachvollziehen. Für sie steht fest: Jenny war sehr detailgetreu, genau und auch ein bisschen eigen. Dafür gab es damals in der damaligen Gesellschaft keinen Raum – was zu Konflikten mit ihren Mitmenschen geführt hat. Aus dem damaligen Rollenbild sticht Jenny Sengelmann raus und wird deswegen von männlichen Kollegen als herrisch und schwierig beurteilt. Diese Vorurteile haben sich bis heute in der Stiftung gehalten.

Eine Frau in schwarzer Kleidung liest ein Buch

Gegenüber ihrem Ehemann war Jenny allerdings liebevoll. In Briefen an Heinrich nennt sie die Bewohner*innen der Anstalten „ihre Kinder“. Oft arbeitet sie nämlich ohne Heinrich, der in späteren Jahren viel auf Reisen ist. Sie erzählt ihm alle Details aus dem Alltag, die sie mitbekommt und zeigt, wie involviert sie im Leben der Bewohner*innen ist. Briefe an ihren Ehemann schließt sie mit: „…gottlob die Woche angebrochen ist, wo ich dich (…) gesund in meine Arme schließen darf.“

Ein altes Foto von einer jungen Frau in schwarzer Kleidung.

Fest steht:  Wir können gar nicht wissen, wie Jenny wirklich war. Wahrscheinlich war sie so, wie wir alle – mit positiven und negativen Eigenschaften gleichzeitig. Als durchsetzungsfähige Frau aus dem späten 19. Jahrhundert wurde ihr allerdings dafür ein Stempel gegeben, der auch über 100 Jahre nach ihrem Tod nachhallt.

Ein altes Foto von einer Frau in schwarzer Kleidung. Sie hält ein Buch und schaut in die Kamera,

Die Recherche erzeugt Aufmerksamkeit

Die Arbeit vom Jenny-Team blieb nicht unbemerkt. Auch Stefani Burmeister, Vorständin für die Arbeits- und Assistenzgesellschaften der ESA, war bei einer Gesprächsrunde mit dabei.

Jenny Sengelmann werden viele Eigenschaften zugeschrieben, die mit der Zeit zutun haben, in der sie gelebt hat. Eine Frau in ihrer damaligen Position war selten. Sie musste klare Anweisungen geben und durchsetzungsfähig sein, um von ihren männlichen Mitmenschen ernst genommen zu werden. Nach dieser Recherche finde ich: Jenny Sengelmann ist eine starke und verantwortungsvolle Frau.Stefani Burmeister, Vorständin der ESA

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