Mit psychischer Erkrankung wieder Arbeit finden

Blick von oben auf einen vollen Schreibtisch

Psychische Erkrankungen können einen Menschen komplett aus der Bahn werfen – so sehr, dass sie durch die Erkrankung ihren Job verlieren oder gar nicht erst antreten können. Und das kann tiefgreifende Konsequenzen haben. Wenn jemand von heute auf morgen erwerbsunfähig wird, fällt ein großer Bestandteil des Alltags weg. Das schließt wichtige Bezugspersonen wie Kolleg*innen mit ein. Ohne Arbeit fehlt oftmals die Struktur im Alltag.

Was sind die Hürden, wenn man mit psychischer Erkrankung (wieder) in den Job starten möchte?

Mit psychischer Erkrankung wieder in den Job zu starten ist leichter gesagt als getan. Das kann mehrere Gründe haben.

Zum einen löst Arbeit oftmals Stress aus. So viel Struktur die Arbeit für den Alltag auch bietet, sie kann den Alltag zu stark diktieren. Auf der Arbeit Grenzen zu ziehen und die Angst den Anforderungen nicht gerecht zu werden sind Herausforderungen, denen sich die meisten Menschen konfrontiert sehen. Eine psychische Erkrankung kann diese Ängste zur Überforderung stärker ausprägen.

In vielen Fällen haben es Menschen erlebt, dass sich ihre psychische Erkrankung im fordernden Arbeitsalltag verschlimmert hat. Es gibt also durchaus berechtigte Angst, dass ein Wiedereinstieg in den Job eine Verschlechterung der Psyche auslösen könnte.

Diese Angst vor dem Wiedereinstieg tragen aber hauptsächlich die Betroffenen selbst. Sie fühlen sich oftmals noch nicht bereit, wieder in den Job einzusteigen. Und aus Erfahrung wissen die Betroffenen, dass eine psychische Erkrankung schwer abzuschätzen ist. Die Angst davor, wann sie wieder zuschlägt, wächst. Die Frage „Kann ich mir wieder vertrauen?“ schwebt über allem.

Wagt man zu viel, kann es nach hinten los gehen. Aber wagt man es gar nicht, verharrt man in diesem ungewissen Schwebezustand und es wird auch nicht besser. Um den Anfang zu machen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Wohin kann man sich in Hamburg wenden, wenn man mit psychischer Erkrankung wieder arbeiten möchte?

Es gibt mehrere Möglichkeiten in Hamburg, wieder in den Job zu starten:

Stufenweise Wiedereingliederung

Beim sogenannten „Hamburger Modell“ werden die Arbeitszeit und die -belastung schrittweise erhöht. Dieser Prozess erfolgt in der Regel im Anschluss an Rehabilitations- und Klinikaufenthalten. Die Wiedereingliederung dauert mehrere Wochen bis Monate.
Bei einem Wiedereinstieg in den alten Job ist zudem der Arbeitgeber dazu verpflichtet, den Arbeitnehmer zu unterstützen. Dafür führen beide Parteien meist auch Rückkehrgespräche. Darin besprechen sie, was zunächst zu tun ist, was angepasst werden muss und wie die Arbeitszeiten und Pausen aussehen werden.

Werkstatt für Menschen mit Behinderung

In der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) gehen Menschen mit mindestens 17,5 Stunden in der Woche einer Tätigkeit nach. Die Werkstattbereiche bei alsterarbeit sind sehr vielseitig: So gibt es zum Beispiel kreative Bereiche, wie Kunst, Musik, Film und Grafik sowie Lagerlogistik und Fertigung.

TaK – Teilhabe am arbeitsweltlichen Kontext

Sollten 17.5 Stunden Beschäftigungszeit zu viel sein, können Menschen mit psychischen Erkrankungen an der TaK-Maßnahme teilnehmen. TaK steht für „Teilhabe am arbeitsweltlichen Kontext“. Hier beträgt die Beschäftigungszeit zwischen 3 und 15 Stunden in der Woche.

Menschen in der TaK-Maßnahme müssen eine Erwerbsminderungsrente beziehen oder der Antrag auf Teilhabe am Arbeitsleben muss abgelehnt werden, damit die Maßnahme beim Fachamt für Eingliederungshilfe beantragt werden kann. Mit der geringeren Stundenzahl kann man entweder in der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen oder auf einem Beschäftigungsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt einer Tätigkeit nachgehen.

Wenn Menschen mit Behinderungen sich nicht sicher sind, welche Maßnahme für sie in Frage kommt, können sie sich an die Erstberatung Berufliche Bildung wenden. Oder wenn die TaK-Maßnahme schon nach dem Richtigen klingt, dann hilft startpunkt job gerne weiter.

Berufliche Rehabilitation (Reha)

Bei der beruflichen Reha steht die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit, berufliche Neuorientierung oder Umschulung im Vordergrund. Zu den Leistungen gehören Umschulungen, Qualifizierungen, Anpassungsfortbildungen, Berufstrainingszentren (BTZ) oder Bewerbungstrainings. Der Antrag kann bei der Rentenversicherung oder Bundesagentur für Arbeit gestellt und gegebenfalls ein Termin für die Beratung ausgemacht werden.

Ambulante Dienste

Ambulante Dienste richten sich an Menschen mit Behinderungen, die Unterstützung im Alltag benötigen. Die Leistungen sind vielfältig: So gibt es Assistenz beim Wohnen, Alltagsbegleitung oder auch Freizeitgestaltung. Innerhalb der Evangelischen Stiftung Alsterdorf schaffen die alsterdorf assistenz ost und die alsterdorf assistenz west Angebote in Hamburg und klaarnoord ist in Schleswig-Holstein aktiv.

Außerdem kann man sich in unseren psychosozialen Zentren beraten lassen – in Alsterdorf, Winterhude und Rahlstedt.

Wohin kann man sich wenden, wenn man durch seine psychische Erkrankung vollständig erwerbsgemindert ist?

Das Angebot startpunkt job von alsterarbeit hilft genau dort weiter. Hier kann man sich melden, wenn man aufgrund der eigenen psychischen Erkrankung vollständig erwerbsgemindert ist, aber arbeiten möchte.

Die Jobcoaches beraten und suchen gemeinsam nach Möglichkeiten zwischen 3 bis 15 Stunden in der Woche zu arbeiten.

Der Vorteil ist, dass die Teilnehmer*innen der Maßnahme am Arbeitsleben teilnehmen können, aber mit weniger Druck. Das kann ein Startpunkt wieder hinein in den Arbeitsmarkt sein – muss es aber nicht.

Wie läuft die Maßnahme bei startpunkt job ab?

Die Jobcoaches von startpunkt job finden mit den Interessierten gemeinsam heraus, welche Tätigkeit sich auf dem allgemeinen oder geschützten Arbeitsmarkt in Frage kommt. Dabei durchlaufen die Teilnehmer*innen folgende Phasen:

  • Erkundungsphase: Was bringt die Person mit? Was kann sie? In welche Richtung kann es gehen?
  • Trainingsphase: Die Person testet und erprobt die zuvor erarbeiteten Ideen zur Beschäftigung. Sie lernt die Tätigkeiten kennen, wird eingearbeitet und erwirbt neue Kompetenzen.
  • Platzierungsphase: Hat die Person in der Trainingsphase einen Job gefunden, der ihr gefällt, wird dort eine Stelle geschaffen, die den Möglichkeiten und Wünschen der Person entspricht.

Die Jobcoaches von startpunkt job begleiten die Person in allen Phasen. Sie sind Ansprechpartner*innen für die Teilnehmer*innen sowie für die kooperierenden Unternehmen. Wie lange eine Phase dauert, wird individuell ausgemacht. Gemeinsam arbeitet man daran, eine Beschäftigung zu finden, die passt.

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